von Gastautorin Stefanie Böck

Stefanie Böck ist Journalistin und Pferdenarr. Für das Städtische Museum Isny arbeitet Sie an einer Ausstellung über den Postkartenmaler Eugen Felle:

Wandern? Ja, bitte. Mit Panorama? Gerne. Auf den Spuren eines Künstlers? Schon vor über 100 Jahren stieg Postkartenmaler Eugen Felle die zerklüfteten Tobel und einsamen Wiesen der Adelegg im Allgäu hinauf, um Motive für seine Ansichten im Kleinformat zu sammeln. Seine Leidenschaft: charakteristische Panoramen. Er war einer der Ersten, der Landschaften, Dörfer und Städte von oben zeichnete und damit einen völlig neuen Blick auf die Welt erschuf.

Inspiration für seine Arbeit holte sich der Erfinder der Vogelschaupostkarte in den ersten Jahren in den einsamen Wäldern des ausgedehnten Gebirgszugs der »Adelegg«, der zur Hälfte in Baden-Württemberg und zur Hälfte in Bayern liegt. In dem hügeligen Gebiet zwischen Kempten, Leutkirch und Isny bewegte sich Felle häufig und studierte die Ausblicke auf seine Heimat – Grundlagen für die ersten Postkarten, die später um die ganze Welt gingen.

Denn seine Ansichten zogen Kreise: Mit den ersten Drucken schickten die Leute nicht nur schriftliche Grüße, sondern auch alpine Darstellungen an ihre Verwandten und Freunde. Eugen Felle zeichnete über Jahre hinweg europaweit die schönsten Landstriche und Stadtansichten. Berge, Bäche, Brücken, Dörfer, Gasthäuser, Eisenbahnen – einzigartige und authentische Ansichten auf sämtliche frühtouristischen Regionen und Ausflugsorte, entstanden so.

»Schöne Grüße aus …« und persönliche Worte stehen auf den kleinen Papp-Karten, die viele Menschen verbanden und berührten. Kaum zu glauben, dass der Ursprung dazu in den einsamen Wäldern des Allgäus liegt.

Heute ist man hier selten allein: Wanderer, Radfahrer und Naturliebhaber folgen den zahlreichen Wegen über die Adelegg. Sogar eine bewirtschaftete Alpe gibt es und hervorragende Gasthäuser ringsherum. Bis ins 17. Jahrhundert war das Gebiet völlig unbesiedelt, als Holzfäller Bäume für die Glasmacheröfen rodeten. Die Fällungen brachten Licht in das »dunkle Herz des Allgäus«.

Wer einen 360-Grad-Rundumblick genießen will, macht sich am besten auf zum höchsten Punkt, zum »Schwarzen Grat«. Dort steht ein Aussichtsturm, der das ganze Jahr geöffnet ist. Von seiner Plattform siehst Du ein wunderbares Panorama mit Zugspitze, Silvretta, Allgäuer-, Schweizer Alpen und ab und zu ist auch der Bodensee zu erkennen.

Gut zu wissen

Die Adelegg liegt im bayerisch-württembergischen Grenzgebiet. Die gerade noch in Bayern gelegene Wenger Egg-Alpe ist eine der wenigen noch bewirtschafteten Alpen im Allgäu, sie ist vom Dorf Wengen aus mit dem geländegängigen Fahrrad erreichbar: www.quaeldich.de/paesse/wenger-egg. Im Jahr 2019 ist im (württembergischen) Schloss Isny eine Ausstellung zum Postkartenmaler Eugen Felle zu sehen.

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Auf den Spuren der Panorama-Postkarte – die Adelegg im Allgäu 47.687001, 10.135489 Alpe Wenger Egg, Adelegg, Allgäu (Routenplaner)