Emaillegeschirr, Bürsten, Lebensmittel, Kernseife oder Bildchen für’s Poesiealbum – im gerade einmal 20 Quadratmeter umfassenden Colonialwarenladen von Albert Schach gab es quasi alles zu kaufen, was das Herz der schwäbischen Hausfrau höher schlagen ließ. 1945 übernahm Tochter Helene das Geschäft in der Nürtinger Vorstadt und führte es bis 1992 in beinahe unverändertem Zustand fort. Doch statt nach der Schließung auf Nimmerwiedersehen im Lauf der Geschichte zu verschwinden, bekam die »museumsreife« Einrichtung des Colonialwarenladens ein zweites Leben: Im Freilichtmuseum Beuren kann man im »Tante-Helene-Lädle« heute Produkte aus der Region, aber auch weiterhin Emaillegeschirr, Stricklieseln und lose Himbeerbonbons kaufen. Fast wie zu Urgroßmutters Zeiten.

Während andere Museen Gegenstände sammeln und ausstellen, präsentiert das von Gärten, Äckern und Streuobstwiesen umgebene Museum in Beuren die ländliche Alltagskultur und Geschichte Württembergs gleich anhand von ganzen Gebäuden, die nicht etwa nachgebaut wurden oder historisch hier gewachsen sind: Vom Schafstall aus dem 18. Jahrhundert bis zur Schreinerei von 1920 wurden alle Gebäude der »Sammlung« an ihrem Originalstandort behutsam demontiert und in Beuren wieder aufgebaut.

Von außen sehen die historischen Gebäude oft romantisch aus. Aber wie man wohl selbst mit der Enge in den dunklen und feuchten »Dunken« der Leineweber zurechtgekommen wäre? Auch das Leben mit zehn Personen im 37 Quadratmeter kleinen Tagelöhnerhaus hatte mit ländlicher Romantik vermutlich herzlich wenig zu tun. Weniger Probleme mit der Enge hatten dagegen wohl die Bewohnerinnen des 1913 erbauten, achteckigen und hübsch verzierten Bienenpavillons, der bis zu 36 Völkern der Honiglieferantinnen Obdach bot. Die Bienen hatten eine enorm wichtige Funktion für die Bestäubung der allgegenwärtigen Obstbäume, entsprechend angesehen war der Imkerberuf.

Die Landwirtschaft war seit jeher Lebensgrundlage der ländlichen Bevölkerung. Im Freilichtmuseum Beuren finden sich Hausgärten mit alten Gemüse- und Heilpflanzen ebenso wie Äcker und Wiesen mit heute seltenen Kulturpflanzen und Tierrassen. Außerdem widmen sich verschiedene Dauer- und Sonderausstellungen, Veranstaltungen und Thementage dem Erhalt der Vielfalt der württembergischen Kulturlandschaft.

Gut zu wissen

Freilichtmuseum Beuren, In den Herbstwiesen, 72660 Beuren, www.freilichtmuseum-beuren.de, Tel. +49 (0)7025 911900, Öffnungszeiten: Mrz. – Nov., Di. – So. 9 bis 18 Uhr, an Feiertagen auch montags. Informationen zu Veranstaltungen, Sonderausstellungen und Tagungsmöglichkeiten auf der Webseite. Bahnhof Neuffen, Tälesbahn (R 82), von dort auf dem Wanderweg nach Beuren oder Bus (Linien 179, 199).

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Wo Tante Emma Helene heißt – schwäbische Kulturgeschichte im Freilichtmuseum Beuren 48.576408, 9.414682 In den Herbstwiesen, 72660, Beuren (Routenplaner)