Schon die Kelten hatten Hand an den Schönbuch gelegt und eine Lichtung gerodet. Mit ihrem fruchtbaren Boden liefert die Schönbuchlichtung bis heute die Grundlage für landwirtschaftliche Produkte. Eines davon ist Braugerste. Und die dazu gehörige Brauerei ist nicht weit: Im Zentrum von Böblingen befindet sich die Schönbuch Braumanufaktur. Sie wurde 1823 direkt am Marktplatz gegründet, musste dann aber schon sechs Jahre später umziehen an den Postplatz. Die damalige Kühlung mit Ammoniak war den Stadtbewohnern innerhalb der Stadtmauern zu heikel. Heute ist Böblingen so gewachsen, dass sich die Brauerei wieder im Zentrum befindet und vom Bahnhof gut zu Fuß zu erreichen ist. Inzwischen hat man auch andere Kühlmethoden gefunden.

Wie das mit dem Bierbrauen funktioniert, habe ich bei einer Führung durch die Brauerei erfahren. Wir durchlaufen den Weg des Bieres vom Ansetzen des Malzes über das Aufkochen im Sudhaus und die Gärung bei Temperaturen zwischen vier und neun Grad bis hin zur Lagerung. Es ist eine kleine Brauerei und was andere in einer Woche produzieren, wird hier in einem Jahr hergestellt. Dafür haben Zeit und Qualität einen anderen Stellenwert. Mir war nicht bewusst, dass Bier vier bis acht Wochen lagert, bevor es geschmacklich voll gereift ist. Großbrauereien verkürzen diese Zeit, indem sie junges mit gereiftem Bier mischen. Im Schönbuch wird dem Bier seine volle Reifezeit zugestanden. Riesige Fässer aus Edelstahl befinden sich in dem großen Kühlraum.

In einer kleinen Brauerei kann man sich auch Experimente mit Spezialitäten leisten. Alte Barrique-Fässer in denen jahrelang Wein oder Whisky lagerte, geben einen ganz eigenen Geschmack an das Bier ab. Und bei unserem Besuch warteten gerade Rum-Fässer auf ihren neuen Einsatz. Der Preis des Bieres liegt bei einer solchen Behandlung dann ähnlich hoch wie bei einem guten Wein. Ich bleibe da lieber bei den bodenständigen Produkten. Nach der Führung setzen wir uns im Biergarten der Brauerei zusammen, genießen ein Weizen und amüsieren uns über den Lauf der Geschichte: 1873 trennten sich die Brüder des Gründers. Der ältere gründete in Stuttgart eine große Brauerei, der jüngere blieb in Böblingen und ließ das »c« aus seinem Namen Dinkelacker fallen.

Gut zu wissen

Schönbuch Braumanufaktur, Postplatz 6, 71032 Böblingen, www.braumanufaktur.com, Tel. +49 (0)7031 681323. Führungen Mo. – Fr. 11 und 18 Uhr, Sa. 11 und 16 Uhr. Anreise: Haltestelle Böblingen, S-Bahn (Linie 1) oder Schönbuchbahn.

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Braugerste von der Schönbuchlichtung für die Schönbuch Braumanufaktur 48.684755, 9.010082 Poststraße 6, 71032 Böblingen (Routenplaner)