von Gastautor Wilfried Sauter

Wilfried Sauter setzt sich seit vielen Jahren als Fahrgast mit der Bahn auseinander:

Bei Mühlhausen im Täle zeigen sich in den Hängen hoch über der Fils große Tunnelmünder als Brückenköpfe einer gigantischen neuen Bahnstrecke. Dieses Bahnprojekt setzt auf Tempo. Die Erfindung der Eisenbahn brachte bis dahin nicht denkbare Reisegeschwindigkeiten und eine große Transportleistung. Der Vorteil der Bahn waren die glatten, gleichmäßigen Schienenwege. Allerdings brachten und bringen Steigungen die Bahn schnell an ihre Leistungsgrenze. Schließlich müssen die Loks ihre Kraft über winzige Kontaktflächen von den Antriebsrädern auf die glatten Schienen bringen. Aus diesem Grund werden Steigungen von Bahnstrecken sehr genau in Promille (‰) gemessen werden, also in Steigungsmetern pro tausend Meter Streckenlänge.

In den 1840er Jahren ließen die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen die Alb-Querung über Amstetten nach Ulm mit einer Steigung von maximal 22,5 ‰ bauen. Wegen dieser Steigung mussten Züge ab Geislingen von zusätzlichen Lokomotiven nachgeschoben werden. Für die schweren Güterzüge gilt das bis heute. Personenzüge schaffen moderne elektrische Lokomotiven ohne Nachschub auf die Alb hinauf, allerdings ist die Höchstgeschwindigkeit wegen der engen Kurven der alten, dem Lonetal folgenden Strecke auf 70 km/h beschränkt. Nun entsteht eine Neubaustrecke zwischen Wendlingen und Ulm, die durch ihre möglichst gradlinige Führung ein Tempo von 250 km/h erlauben soll. Sie verläuft über weite Strecken im Tunnel, doch kann sie die Alb nicht unterfahren. An ihrem höchstgelegenen Tunnel liegt sie sogar noch deutlich höher als der Scheitelpunkt der alten Bahn. Die Neubaustrecke weist daher durchschnittlich 25 ‰, in kürzeren Abschnitten sogar 35 ‰ Steigung auf. Modernste Triebwagenzüge wie der ICE können wegen ihrer vielen angetriebenen Achsen solche Steigungen bewältigen.

Güterzüge kommen jedoch an ihre Grenzen. Sie bräuchten zusätzliche Loks, um die Neubaustrecke nutzen zu können. Das ist teuer und umständlich, und deshalb wählen Spediteure bereits heute lieber etwas längere, aber einfacher zu befahrende Bahnstrecken für ihre Transporte. Das Problem der neuen Alb-Querung liegt darin, dass bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung der Neubaustrecke zwar erheblicher Güterverkehr einkalkuliert wurde, doch ist fraglich, ob zukünftig hoch über den Köpfen der Menschen bei Mühlhausen im Täle tatsächlich viele Güterzüge die neue Filstalbrücke nutzen werden.

Gut zu wissen

Filstalbrücke Neubaustrecke Wendlingen – Ulm, 73347 Mühlhausen im Täle. Die Neubaustrecke quert das Filstal zwischen Mühlhausen im Täle und Wiesensteig. Weitere Informationen bei Wikipedia.

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Eine Brücke über das Filstal - neuer Schienenweg über die Schwäbische Alb 48.572405, 9.644070 Talesbahnradweg (Filstal), 73347 Mühlhausen im Täle (Routenplaner)