von Gastautorin Andrea Rohrberg

Andrea Rohrberg ist in Stuttgart aufgewachsen und erkundet ihre alte Heimat von neuem:

Gärten ziehen mich an. Auf einem Besuch im Strohgäu hatte ich eigentlich nicht mit besonderen Höhepunkten der Gartenkunst gerechnet. Auf dem folgenden, fünf Kilometer langen, abwechslungsreichen Spaziergang von Schwieberdingen über die Nippenburg bis nach Hemmingen entdeckte ich jedoch eine bunte Mischung aus teilweise versteckten Gärten und Grünanlagen. Sie spiegeln die lange Geschichte der Region von Adelssitzen hin zur Ansiedlung mittelständischer Unternehmen und Konzerne wider.

Ab dem Bahnhof Schwieberdingen geht es zunächst gerade aus auf der Nippenburger Straße entlang der Glems. Später verläuft ein Waldweg linkerhand des Flusses direkt im Tal. Hohe Bäume und dichtes wildes Grün umgeben die Spaziergänger. Bald biegt links bergauf ein Waldweg ab. In einem großen Bogen führt er durch Streuobstwiesen auf die Zufahrtsstraße zur Nippenburg. Und hier wartet die erste Überraschung: Der eigentliche Schlosspark ist der Öffentlichkeit nicht zugänglich. Rechterhand der Straße jedoch, direkt vor dem großen Torbogen, liegt ein kleiner Barockgarten hinter halbhohen Mauern. Niedrige scharf geschnittene Buchsbaumhecken umgrenzen die Blumenbeete. In einem kleinen Rondell steht ein Obelisk. Geometrische Formen schaffen Ordnung in der dicht gedrängten Pflanzenwelt.

Weiter geht es ein Stück zurück links durch die Ruine der Burg Nippenburg. Gerade aus durch den Torbogen führt ein steiler Wanderweg wieder hinunter zur Glems und auf der anderen Seite nach oben. Tief hat sich der Fluss in die Landschaft eingeschnitten. Der Weg entlang der Hauptstraße biegt schon bald rechts vorbei am Mühlhof zurück in ein Seitental. Während der Glemstal-Radweg rechts abbiegt, führt unser Spaziergang nach links Richtung Hemmingen und bald rechts auf dem Feldweg zwischen kleinen Schrebergärten hindurch – unsere zweite Gartenstation. Wo sonst hohe Zäune den einen Garten vom anderen abgrenzen, sind hier nur niedrige Latten angebracht. Sorgfältig gepflegte Reihen mit Paprika und Chili deuten auf eine südländische Gartenkultur hin. Die Unternehmen haben jede Menge ausländische Arbeitskräfte angezogen. Am Rande des Industriegebietes vorbei führt uns der Weg direkt in den Schlosspark von Hemmingen. Jetzt sehen wir das, was uns in der Nippenburg verschlossen blieb: Einen englischen Landschaftsgarten aus dem Jahr 1854.

Gut zu wissen

Spaziergang von Schwieberdingen nach Hemmingen, Startpunkt Bahnhof Schwieberdingen, Endpunkt Bahnhof Hemmingen. Anreise: Regionalbahnhof Schwieberdingen, Strohgäubahn.

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Gartenkunst im Strohgäu von Barock über Englisch bis Schreber 48.863755, 9.051447 Bahnhof, 71701 Schwieberdingen (Routenplaner)