»Jetzt kommt die Geislinger Steige«, sagte unser Vater, wenn wir auf der B10 hoch auf die Alb fuhren. Daraufhin versuchten wir Kinder möglichst oft einen Blick auf die Eisenbahntrasse und mit etwas Glück auf einen fahrenden Zug am steilen Berghang zu erhaschen. Dass die damals grauen und im engen Tal eingepferchten Fabrikanlagen der Industriestadt Geislingen eng mit dieser Bahnlinie zusammenhängen, war uns nicht klar. »Die Steige« war für uns lediglich eine aufregende Abwechslung nach der Fahrt durch das Vorland der Schwäbischen Alb.

Wie der Bau der Bahnlinie in den Jahren 1847 bis 1850 die Stadt geprägt hat und welche Bedeutung die steile Rampe mit den Gleisen hoch auf die Alb in Richtung Ulm für den Eisenbahnbau in Europa hatte, erfuhr ich bei einer Wanderung auf dem Bahnerlebnispfad Geislinger Steige. Der Pfad führt direkt hinter dem Bahnhof zunächst steil nach oben zur Ruine Helfenstein. Hier ist wohl einer der am meisten besuchten Fotopunkte europäischer Eisenbahnfreunde: Tief unten im Tal verläuft die Eisenbahntrasse, auf der fast im Minutentakt die Züge passieren. Vom Helfenstein aus kontrollierten schon im Mittelalter die lokalen Herrscher die alten römischen Handelsrouten über die Schwäbische Alb. Bei der Planung der Eisenbahntrasse Geislinger Steige spielte dann auch der kürzere Weg eine größere Rolle als die große Steigung.

In engen Kurven schlängelt sich die Bahn am Berghang entlang – und parallel dazu der Wanderweg am Albtrauf hoch über den Gleisen. Die Geislinger Steige gilt als erste Gebirgsquerung in Kontinentaleuropa und als ingenieurtechnische Meisterleistung. Dem Oberingenieur Michael Knoll ist deshalb auch ein Denkmal gewidmet, an dem der Wanderweg vorbeiführt. Kurz danach erreicht man den Mühltalfelsen, der im Zuge der Bauarbeiten teilweise gesprengt werden musste und heute als ein weiterer viel besuchter Aussichtspunkt auf die Bahntrasse dient. In Ziegelhütte quert der Weg auf die andere Seite der Rohrach und führt zurück nach Geislingen.

Die leistungsfähige Bahnlinie brachte eine Vielzahl an Industrieunternehmen in die Stadt, eines davon hat seinen Ursprung in einem findigen Müller, der beim Bahnbau die Werkzeuge instand hielt, ein profitables Geschäft sah und 1853 die Württembergische Metallwarenfabrik gründete.

Gut zu wissen

Start: Am Bahnhof, 73312 Geislingen. Rundweg, 14 km Bahnerlebnispfad Geislinger Steige, www.erlebnispfad-geislinger-steige.de. Der Weg erfordert festes Schuhwerk. Anreise: Bahnhof Geislingen an der Steige, Regionalbahn.

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Europas erste Gebirgsquerung einer Eisenbahn – eine Wanderung an der Geislinger Steige 48.619094, 9.841003 Am Bahnhof, 73312 Geislinge (Routenplaner)