von Gastautor Felix Schaudt

Der Autor ist oft mit dem Rad unterwegs im Strohgäu:

»Grüner Heiner« ist ein idyllisch klingender Name. Die Erhebung am Rande des Strohgäus ist jedoch eine ehemalige Schutthalde für die Ruinen des zweiten Weltkriegs – daher auch Lotterberg genannt. Trotzdem ist der Berg Anziehungspunkt für romantisch Veranlagte: verliebte Teenagerpärchen, Rentnergruppen auf E-Bikes – und für mich. Früher graste oft eine Ziegenherde auf den Hängen, was sehr zur Atmosphäre beitrug. Wenn man in Zuffenhausen wohnt, ist der Grüne Heiner der ideale Umkehr- und Höhepunkt der Joggingstrecke. Obwohl eigentlich nur 85 Meter hoch und daher eher den Namen »Lotterhügel« verdienend, hat es die Rampe, die sich spiralförmig zum Gipfel zieht in sich. Oben angekommen ist man sich nicht sicher, ob das pulsierende Rauschen in den Ohren von dem riesigen Windkraftrad, das auf dem Gipfel steht oder dem drohenden Herzinfarkt herrührt.

Für die Mühe wird man allerdings auch mit einem für Stuttgart ungewöhnlichen und grandiosen Rundumblick belohnt: Greutterwald, Solitude und das ganze Strohgäu sind in Sichtweite. Bei gutem Wetter reicht der Blick angeblich bis zur Göppinger Alb. Aufgrund meiner begrenzten Kenntnisse in Geografie bin ich nicht sicher, in welche Richtung ich eigentlich schauen müsste, bilde mir bei gutem Wetter aber trotzdem ein, sie zu sehen.

Etwas weiter nordwestlich, in der Ruine der Nippenburg im Glemstal, hängt ein Plakette mit dem Zitat eines verdienten Bürgers, dass »uns unsere Nachfahren nicht danach bewerten werden, wie viele Autobahnkilometer wir gebaut und wie viele Kilowattstunden wir erzeugt haben«. Wer auf dem Grünen Heiner steht merkt rasch, dass er mit dieser Meinung hier in der Region alleine steht: Über dem Betrachter braust das Windrad und direkt unten im Tal die Autobahn 81. Blickt man nach Süden, ahnt man, dass in Korntal heute nur noch wenig Korn und dafür umso mehr Gewerbesteuer geerntet wird. Korntal galt früher als besonders fromm, aber wer das Porschemuseum und die davor stehende Porscheskulptur in Zuffenhausen anschaut, weiß welchem Gott hier heute hauptsächlich gehuldigt wird. Es erfüllt mich mit nostalgischer Wehmut, wenn ich mir vorstelle, wie schön es rund um den Grünen Heiner einmal gewesen sein muss.

Doch auch heute hat der Grüne Heiner neben dem Weitblick seine besonders schönen Seiten: Bei Sonnenaufgang ist man nahezu allein, allenfalls ein paar Hobbyornithologen mit Ferngläsern beobachten Zugvögel.

Gut zu wissen

Grüner Heiner, 70499 Stuttgart. Über Isolde-Kurz-Straße und Herrmann-Hesse-Straße führt die Straße Am Lotterberg direkt zum Aufstieg auf den Grünen Heiner. Anreise: Haltestelle Korntal Gymnasium, Strohgäubahn (R61).

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Grüner Heiner - Anziehungspunkt für Romantiker und Sportler 48.830833, 9.097222 Grüner Heiner, 70499 Stuttgart (Routenplaner)