von Gastautorin Barbara Hornberger

Kunsthistorikerin Barbara Hornberger leitet seit 13 Jahren das Heimatmuseum in Flacht:

Ein eher ärmliches Dorf in einer ländlich geprägten Region. Arbeitsplätze waren rar, und viele Einwohner verdingten sich als Tagelöhner in der Landwirtschaft im benachbarten Strohgäu. Gerade einmal 110 Jahre ist das her, doch wer heute nach Flacht kommt, braucht schon etwas Fantasie, um sich das Leben von damals vorzustellen.

Mit dem Bau der Strohgäubahn erreichte die Industrialisierung dann auch die Orte am Strudelbach. Direkt gegenüber vom Bahnhof Weissach entstand die Strick Fabrik, die bis in die 1970er Jahre Fortschritt und Arbeit in die Region brachte und heute als multifunktionales Kulturzentrum genutzt wird. Und Anfang der 1970er Jahre entstand dann unser »dritter Ortsteil«, das Porsche-Entwicklungszentrum, das die Struktur der Orte Weissach und Flacht stark veränderte. Woran hinter den großen Toren getüftelt wird, ist streng geheim. Damit man sich trotzdem einen Eindruck verschaffen kann, gibt es in unserem Museum eine eigene Ausstellung dazu.

Das Heimatmuseum Flacht befindet sich in der ehemaligen Grund- und Volksschule und wird zum größten Teil von Ehrenamtlichen des Heimatvereins getragen. In der Dauerausstellung wird die Geschichte des Ortes von den ältesten nachgewiesenen Siedlungsspuren bis zu den großen baulichen Veränderungen der letzten 50 Jahre anschaulich präsentiert. Es finden sich Geschichten von Freunden und Feinden, Kriegen und Krankheiten, Händlern und Schmugglern, von berühmten Personen und davon, wie man hier einst von und mit der Natur lebte. Eine Geschichte, die Hoffnung macht, ist zum Beispiel die der Pfarrersfamilie Mörike. Sie versteckte im Dritten Reich Juden unter falschem Namen bei sich und organisierte auch deren Weiterreise zu anderen mutigen Gastgebern. Dabei spielte auch die Strohgäubahn eine Rolle. Sie war zu dem Zeitpunkt keine Staatsbahn und wurde deshalb weniger kontrolliert.

Auch heute unterstützen engagierte Flachter Bürger wieder Menschen, denen das Schicksal übel mitgespielt hat: Im Heimatmuseum arbeiten Geflüchtete ehrenamtlich bei den Sonderausstellungen mit. Ein schöner Weg, seinen neuen Heimatort kennenzulernen.

Gut zu wissen

Heimatmuseum Flacht, Leonberger Straße 2, 71287 Weissach, www.heimatmuseum-flacht.de. Führungen nach Vereinbarung unter +49 (0)7044 32109. Anreise: Haltestelle Leonberg S-Bahn (Linie 6), Haltestelle Ortsmitte, Bus (Linie 634) oder zu Fuß vom Bahnhof Weissach durch das Strudelbachtal.

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Wie sich die Zeiten ändern – das Heimatmuseum Flacht 48.834090, 8.913051 Leonberger Straße 2, 71287 Weissach (Routenplaner)