Eisenbahnen erschließen neue Möglichkeiten – das galt wohl auch für die ehemalige Tälesbahn im oberen Filstal zwischen Geislingen an der Steige und Wiesensteig. Heute ist von der Eisenbahn im Tal nichts mehr zu sehen. Sie hat ihren Dienst getan und Erz aus den Bergwerken rund um Geislingen und Produkte wie Papier von Produktionsstätten entlang der Fils transportiert. Hinterlassen hat sie aber einen wunderbar vielseitigen Radweg, der auf der ehemaligen Schienentrasse verläuft. Der Radweg ist der obere Teil des Filstalradwegs, der zwischen dem Wanderparkplatz Bahnhöfle auf der Alb bis nach Plochingen über insgesamt 67 Kilometer das gesamte Filstal durchläuft.

Die Industriegeschichte des Tals und die schöne Landschaft direkt am Fuße der Alb machen diesen Abschnitt aus meiner Sicht für eine Radtour besonders interessant. Ich packe mein Rad in die Regionalbahn und steige in Kuchen kurz vor Geislingen an der Steige aus. Hier steht man schon mittendrin in der Vielfalt. Das Wasser der Fils und die Eisenbahn ließen die Wirtschaft brummen. Zahlreiche Unternehmen siedelten sich an. Ein interessantes Zeugnis davon, wie Unternehmen eine Region prägen, ist die historische Arbeitersiedlung in Kuchen. Von hier aus geht es zunächst nach Bad Überkingen. Ein Schluck aus dem Mineralbrunnen im Brunnenhäusle gehört für mich mit dazu. In Hausen erhebt sich die spektakuläre Hausener Wand senkrecht bis zur Albhochfläche. Weiter geht es über Deggingen, Bad Ditzenbach und Mühlhausen im Täle durch den Teil des Filstals, der hier Goißatäle genannt wird. Historiker streiten, ob wirklich die Ziegen Namensgeber sind oder die schwäbischen Talbewohner damit die Richtung »nach Geislingen hin« bezeichneten.

In Mühlhausen kreuzen ein paar Hauptverkehrsadern die Landschaft: Die Autobahn A8 Richtung München und zukünftig die neue Bahnstrecke von Stuttgart nach Ulm. Ab Mühlhausen wird es dann richtig eng. Die steilen Hänge der Schwäbischen Alb rücken näher zusammen und einige Mühlen deuten darauf hin, wie hier früher die Produktion von Gütern erfolgte. Wiesensteig hat fast schon etwas von einem Bergdorf mit seinen engen Gassen, alten Häusern und dem Rauschen der Fils. Ab der alten Pappenfabrik wird es dann richtig romantisch. Entlang blühender Albwiesen fährt man bis zum Filsursprung. Hier stört kein Motorengeräusch mehr. Bevor ich die Rückfahrt antrete, sitze ich auf der Brücke und lass meine Füße über dem Wasser baumeln.

Gut zu wissen

Filstalradweg, Abschnitt zwischen Kuchen / Geislingen Steige und Filsursprung bei Wiesensteig, Länge: 28 km. Der Filstalradweg führt nach dem Filsursprung noch weiter durch das Tal bis zum Parkplatz Bahnhöfle. Anreise: Bahnhof Kuchen, Regionalbahn

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Industriegeschichte und Naturspektakel auf dem oberen Filstalradweg 48.598409, 9.727707 Bahnhofstraße, 73329 Kuchen (Routenplaner)