von Gastautor Hans Wild

Der Autor ist gelernter Konditor und hat vor 30 Jahren seinen Job an den Nagel gehängt, um sich ganz dem Aufbau der Kleinkunst-Kneipe »Stellwerk« zu widmen:

Am Anfang waren wir eine Gruppe von neun Leuten, die beschlossen ein Domizil zu suchen, das Kleinkunst, Kneipe und Leben miteinander verbindet. Und wie das dann so ist: Überm Suchen ist die Gruppe immer kleiner geworden. Schließlich sind wir zu dritt im »Stellwerk« in Schelklingen gelandet, einem kleinen Fachwerkhaus, das seit Jahr und Tag die Schelklinger Bahnhofsgaststätte beherbergte und der größten, lokalen Brauerei »Gold Ochsen« auf dem Gelände der Bahn gehört.

Irgendwie gefiel der Brauerei unsere Idee der Kleinkunstkneipe – auch wenn wir sie regelmäßig ganz schön geschockt haben, zum Beispiel als wir die wertvolle, dunkle Mahagoni-Holzverkleidung einfach bunt anstreichen wollten. Und doch haben sie sich schließlich auf einen grundlegenden Stilbruch in der Innenausstattung eingelassen. Im Rückblick bin ich dankbar, dass wir von der Brauerei in manchen Dingen auch gelenkt und freundlich beraten wurden, denn wir hatten damals keine Ahnung von Gastronomie. So zum Beispiel bei der Namensfindung. Eine Umfrage im Freundeskreis brachte Vorschläge wie »Vive la trance« oder »Zyankali Schorsch« zutage, was uns durchaus amüsierte. Der in Zusammenarbeit mit »Gold Ochsen« gefundene, eher neutrale Name »Stellwerk« hat uns dann davor bewahrt, bestimmte Vorurteile durch unseren Namen in das Ulmer Umland und in die Welt zu tragen.

Nach 20 Jahren Kleinkunstkneipe wollten wir der Brauerei-Abhänigigkeit ein Ende setzen und hätten das Haus gern gekauft. Das schien zum damaligen Zeitpunkt nicht möglich. Jetzt sind wir mit dem »Fröhlichen Nix« mitten in Blaubeuren gelandet. Das »Stellwerk« in Schelklingen ist aus meiner Sicht ein sehr originelles Haus, das es verdient weiterhin betrieben und besucht zu werden. Sein hübsches, äußeres Erscheinungsbild mit Freiluftterrasse direkt an den Bahngleisen lädt zum Verweilen ein. Für uns erwies sich die Lage damals als ideal. Und es bleibt eine gute Erinnerung, dass sich hier Künstler wie Michael Mittermeier, Vince Ebert, Claus von Wagner oder der Ausnahmemusiker Stefan Stoppok die Klinke in die Hand gegeben haben. Im Stellwerk kann man immer noch nachmittags einen Kaffee und abends ein Bier trinken und die Bands spielen lauter als im fröhlichen Nix.

Gut zu wissen

Stellwerk, Bahnhofstraße 29, 89601 Schelklingen, www.stellwerk.pub. Öffnungszeiten: Mi. – Fr. ab 17 Uhr, Sa. Ab 15 Uhr zur Bundesliga, So. und feiertags ab 15 Uhr. Im Sommer mit Biergarten. Auf der Bühne lesen Autoren und spielen Bands unterschiedlichster Musikrichtungen. Anreise: Regionabahnhof Schelklingen.

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Von der Wohngemeinschaft zur Kneipe – das Stellwerk in Schelklingen 48.371660, 9.734919 Bahnhofstraße 29, 89601 Schelklingen (Routenplaner)