»Ich komme fast jeden Tag hierher und fülle meine Flasche auf«, sagt uns die ältere Dame und holt eine Glasflasche aus ihrer Stofftasche. Dann konzentriert sie sich ganz darauf, den dünnen Wasserstrahl aus dem Hahn mit der Öffnung der Flasche einzufangen. Die Luft ist angenehm kühl in dem kleinen Brunnenhaus direkt gegenüber dem Rathaus in Bad Überkingen. Die Mauern bestehen aus dem für die Region typischen Tuffstein – das kalkhaltige Wasser aus der Albhochfläche lagert beim Austritt aus dem Gestein den Kalk ab. So entsteht ein poröser Stein, der gut isoliert. In Bad Überkingen im Filstal hat das Wasser nicht nur für die Entstehung von Baumaterial eine besondere Bedeutung.

Schon im 12. Jahrhundert wurde der sogenannte Sauerbrunnen in Bad Überkingen – ein Brunnen mit kohlensäurehaltigem Wasser – urkundlich erwähnt. Das Wasser hat heilende Wirkung und wurde seit dem 16. Jahrhundert von angesehenen Ärzten empfohlen. Der Handel mit dem Mineralwasser florierte. Es fand sogar regen Absatz bis hin nach Bayern. Ab 1896 wurde das Mineralwasser in hohe Tonkrüge abgefüllt, die man heute noch in Antiquitätenläden finden kann. Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind die Quellen in Bad Überkingen eng mit der Mineralquelle im gut 100 Kilometer entfernten Bad Teinach verflochten. 1923 fusionierten die beiden Abfüllbetriebe. Kurz danach wurde man im Kurpark von Bad Überkingen erneut fündig: Seit 1926 wird dort das Wasser der Adelheidquelle eingefangen. Seit 1927 darf die Stadt auch das »Bad« im Namen führen. Der Handel mit dem Wasser ist jedoch kein leichter. Und so hat das Unternehmen rund um die Quellen in den letzten Jahrzehnten eine wechselvolle Geschichte hinter sich.

Die ältere Dame stört das wenig. »Es schmeckt besonders, ich mag es.« Dass sie sich als Bürgerin der Stadt Überkingen jeden Tag das Wasser holen kann, ist wohl einem Eintrag aus dem Jahr 1900 geschuldet: »Die Gemeinde hat von jeher das Recht, zu jeder Zeit Trinkwasser unentgeltlich aus der Mineralquelle zu holen …« Und so weist ein Schild an der Tür des Brunnenhauses darauf hin, »Die Abfüllung von Mineralwasser ist nur den Bürgern von Bad Überkingen erlaubt – Entnahme täglich von 5 bis 20 Uhr«. Wir halten trotzdem unsere Trinkbecher unter den Strahl. Ein starker Eisengeschmack liegt uns prickelnd auf der Zunge.

Gut zu wissen

Brunnenhäusle Bad Überkingen, Gartenstraße 1, 73337 Bad Überkingen, Öffnungszeiten: Tägl. Von 5 bis 20 Uhr. Das Haus befindet direkt neben dem Rathaus. Anreise: Haltestelle Bad Überkingen, Bus (Linie 56).

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Mineralwasser für die Bürger im Brunnenhäusle in Bad Überkingen 48.600371, 9.796955 Gartenstraße 1, 73337 Bad Überkingen (Routenplaner)