von Gastautor Frank Schüler

Der Vorsitzende der Höhlenforschungsgruppe Pfullingen kennt die Olgahöhle seit mehr als 45 Jahren:  

Anders als die meisten Höhlen der Schwäbischen Alb, in deren Karst schon seit Jahrmillionen die wunderschönsten Tropfsteine entstehen, ist die Olgahöhle eine nacheiszeitliche Erscheinung und damit nach geologischen Maßstäben sehr jung. Charakteristisch für die Höhle sind die umgangssprachlich ihrer Form wegen als „Blumenkohlsinter“ bezeichneten Kalotten aus Blaualgentuff.

Regen, der auf der Albhochfläche im karstigen Boden – in den Rissen, Spalten und Höhlen – versickert, tritt in den Tälern am Albtrauf als kalkhaltiges Wasser wieder zutage. Das Flüsschen Echaz, welches heute durch Honau plätschert, lagerte vor 7000 – 10000 Jahren eine etwa 18 Hektar große und bis zu 30 Meter mächtige Kalktuffbarre ab, auf welcher der Ort heute steht.

Im Ortsgebiet von Honau gab es bis zu sechs Steinbrüche, in denen man den begehrten Tuffstein abbaute. Er wurde zum Bau vieler Häuser ebenso verwendet wie für Schloss Lichtenstein oder sogar das Olympiastadion in Berlin.

Ursprünglich sollte die Höhle dem Steinbruchbetrieb weichen. Johann Ziegler, Höhlenentdecker und Stiefsohn des Steinbruchbetreibers, hatte jedoch rasch die Einzigartigkeit dieses geologischen Kleinods erkannt. Erst als er seinem Stiefvater damit drohte, sich zwölf Jahre zum Militärdienst zu verpflichten, gab dieser nach und die Höhle wurde in den kommenden Monaten zur Schauhöhle ausgebaut.

So wurden schon Pfingsten 1875 die ersten Besucher bei Kerzenlicht durch die Olgahöhle geführt. Kaum ein Jahrzehnt später erhielt diese eine elektrische Beleuchtung und war somit die erste elektrifizierte Schauhöhle Deutschlands. Dies zog so viele Besucher an, dass 1891 ein zweiter Ein- bzw. Ausgang gebaut werden musste. Ab 1892 konnte man von Reutlingen mit der Echaztalbahn nach Honau fahren, ein Jahr später mit der Zahnradbahn weiter hinauf nach Traifelberg und Münsingen.

Die Instandhaltung und die Höhlenführungen liegen in der Verantwortung von engagierten Ehrenamtlichen vom Schwäbischen Albverein Ortsgruppe Honau und unserer Höhlenforschungsgruppe Pfullingen. Höhlen haben mich schon als Kind fasziniert. Zur Zeit nehme ich an mehreren Suchgrabungen teil, immer auf der Spur, eine neue Höhle zu entdecken.

Gut zu wissen

Olgahöhle Lichtenstein-Honau, Olgastr. 31, 72805 Lichtenstein, www.olgahoehle.de, Tel. +49 (0)7129 60160, Öffnungszeiten: April bis Oktober jeden ersten Sonntag im Monat sowie an Ostersonntag, Fronleichnam (Höhlenfest) und am Tag des offenen Denkmals von 11 bis 17 Uhr. Sonderführungen telefonisch oder über die Webseite. Anreise: Haltestelle Honau, RAB-Bus (Linien 7606/7607) und HZL-Bus (Linie 400).

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Die Olgahöhle in Lichtenstein-Honau – Deutschlands längste Tuffsteinhöhle 48.413501, 9.260558 Olgastraße 31, 72805, Lichtenstein, Deutschland (Routenplaner)