von Gastautor Dieter Reichhold

Der Autor ist ehrenamtlich als Zugbegleiter oder Zugführer auf der Schwäbischen Alb-Bahn tätig:

Von dem 24 Kilometer langen Radweg vom Münsingen bis Schelklingen entfallen acht Kilometer auf den schönsten Abschnitt, das »Schandental« zwischen dem ehemaligen Bahnhof Mehrstetten und dem Haltepunkt Sondernach. Oberflächengewässer sind rar auf der Alb und auch das Schandental ist ein Trockental, denn der zugehörige Wasserlauf hat sich längst in den Untergrund des zerklüfteten Jura-Gesteins verabschiedet. In diesem Bereich sind Wanderer und Radfahrer unter sich, denn keine Straße stört die Ruhe im Tal. Der gut befestigte, aber nicht geteerte landwirtschaftliche Weg begleitet mal auf der einen Seite, mal auf der anderen die Bahnlinie, die als echte Nebenbahn in engen Bögen dem Lauf des Tales folgt. Welche Freude, wenn der planmäßige Zug pfeifend vorbeifährt! Und dabei geht es kontinuierlich bergab mit einem Gefälle von durchschnittlich 14 Promille – wenig für den Radler, aber für Eisenbahnverhältnisse eine anspruchsvolle Neigung und das auf acht Kilometer Länge.

Es ist nicht verwunderlich, dass in der Dampflokzeit immer wieder schwere bergauf fahrende Güterzüge, vor allem die mit Panzern beladenen Militärzüge, wegen Dampfmangels liegen blieben und die Heizer erst einmal ordentlich Dampf kochen mussten, bevor es weitergehen konnte. Das Anfahren in der Steigung war dann, besonders bei feuchten, schmierigen Schienen, eine Herausforderung für die Lokführer. Auf halber Strecke zwischen Sondernach und Mehrstetten errichtete die Bahnverwaltung 1908 einen Unterstand für die Rottenarbeiter (Männer der Streckenunterhaltung). Da diese Blockhütte die Mitte der acht Kilometer langen Steigung markierte, wurde es üblich, genau hier zum Dampf machen anzuhalten und die Hütte bekam von den Eisenbahnern den Namen »Dampfmachhausen«. Leider ist sie vor einigen Jahren abgebrannt, aber eine Suche nach der Stelle ist reizvoll. Tipp: Da hängt noch ein Fernsprechkasten mit einem großen „F“ am Telegrafenmast.

Wo das Schandental eng ist, sind die Hänge aufgeforstet und eher düster. Aber in den meisten Bereichen ist es offen und sonnig. Der Südhang ist mit dem berühmten Magerrasen der trockenen Albheide bedeckt. Hier sind die Markenzeichen der Alb wie Wacholder und Silberdistel zu bestaunen und manchmal begegnet dem Besucher auch der Schäfer mit seiner Herde.

Gut zu wissen

Ausgangspunkt: Reisedienst der Schwäbischen Alb-Bahn, Bahnhof Münsingen, Bahnhofstraße 8, 72525 Münsingen, www.alb-bahn.com. Öffnungszeiten: Mi., Fr. 9 bis 13.15 Uhr, Tel. +49 (0) 7381 5017556. Strecke von Münsingen bis Sondernach: 15 km, Rückfahrt ab Sondernach oder Hütten. Alle Züge auf dieser Linie befördern auch Fahrräder.

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Immer bergab im Schandental 48.373128, 9.531369 Münsingen Bahnhof Regierungsbezirk Tübingen, Deutschland (Routenplaner)