von Gastautor Mathias Allgäuer

Der Förster ist seit 1998 Geschäftsführer des Naturparks Schönbuch:

Der Schönbuch ist nicht nur der älteste Naturpark Baden-Württembergs, sondern auch der waldreichste – ein herrliches Wandergebiet, in dem man auf den richtigen Pfaden stundenlang auf keine einzige Straße trifft.

Die Wälder des Schönbuch wurden seit jeher wirtschaftlich genutzt, wobei die Waldweide für das Auskommen der Menschen zeitweise wichtiger war als die Nutzung des Holzes selbst. Die Menschen formten den Wald nach ihren Bedürfnissen.. Nachdem der Schönbuch sich vor rund 200 Jahren durch jahrhundertelange Übernutzung in einem beklagenswerten Zustand befand, wurde er vor allem durch schnell wachsende Nadelbäume aufgeforstet. Heute wird das Bild wieder hauptsächlich von der standortsgerechten Buche und Eiche geprägt. Auf rund 90 Prozent der Waldfläche im Naturpark findet eine naturnahe forstwirtschaftliche Nutzung statt. Aber es gibt hier auch noch Urwälder – oder zumindest Gebiete, in denen »Natur einfach Natur sein darf«.

Der Eisenbachhain bei Dettenhausen wird schon seit über hundert Jahren nicht mehr forstwirtschaftlich genutzt. 1937 wurde der einstige Hutewald dann komplett unter Naturschutz gestellt und kann sich seitdem unbeeinflusst von jeglicher menschlichen Nutzung entwickeln. Da somit auch keine Wegesicherung betrieben werden kann, darf in die sogenannten Bannwälder niemand hinein. Selbst wir Förster betreten sie nur bei Windstille und immer mit großer Vorsicht.

Die Bannwälder im Schönbuch sind Zeugen längst vergangener Zeiten und Rückzugsraum für zahlreiche seltene und bedrohte Arten, von Spechten über Greifvögel bis Rotwild. Was die bis zu 400 Jahre alten Eichen in ihrem langen Leben wohl schon so alles »gesehen« haben? Auf jeden Fall haben sie nur noch begrenzt Zeit, ihre Geheimnisse preiszugeben – denn mit der Zeit wird sich im Eisenbachhain wohl die konkurrenzstärkere Buche durchsetzen.

Auch außerhalb der Waldschutzgebiete bemühen wir uns, wo möglich, die schnell wachsenden Fichten mit der Zeit wieder durch heimische Laubbäume zu ersetzen. Da ist es günstig, dass sich fast alle Flächen in öffentlicher Hand befinden und wir nicht allein nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten handeln müssen. So können wir Wirtschaftswälder gestalten, die langfristig nutzbar sind und gleichzeitig dem Artenschutz, aber auch der Erholungsnutzung Rechnung tragen.

Gut zu wissen

Naturschutzgebiet und Bannwald Eisenbachhain bei Dettenhausen, Parkplatz Stadtreitereiche, 72135 Dettenhausen, www.naturpark-schoenbuch.de/de/entdecken/sehenswuerdigkeiten/bann-und-schonwaelder/eisenbachhain. Wer in einen solchen mitteleuropäischen Urwald wenigstens mal hineinschauen möchte, kann das von den Forstwegen außerhalb des Bannwaldes tun. Anreise: Bahnhof Dettenhausen (Schönbuchbahn) oder Haltestelle Kälberstelle, Bus (Linien 828/754, 826)

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Urwald von Morgen – Bannwälder im Naturpark Schönbuch 48.584670, 9.117279 Bannwald Eisenbachhain, 72135 Dettenhausen (Routenplaner)