von Gastautor Mathias Allgäuer

Der Förster ist bereits seit 1998 Geschäftsführer des Naturparks Schönbuch:

Der Wald und die darunterliegenden Gesteine bildeten jahrhundertelang die Lebensgrundlage der Menschen im Schönbuch. Die erste urkundliche Erwähnung einer Steingrube bei Dettenhausen datiert aus dem Jahr 1383. Aus dem Sandstein fertigten Steinhauer in schweißtreibender Handarbeit Mühlsteine, Bausteine und Skulpturen. Noch wichtiger war jedoch in dieser Zeit das Holz – das Mittelalter wird auch das »hölzerne Zeitalter« genannt, da so gut wie jeder Beruf irgendetwas mit dem Werkstoff aus dem Wald zu tun hatte.

Große Auswirkungen auf die Wälder im Schönbuch hatte das Aufkommen der Stallhaltung. Während das Vieh zuvor bereits zur Futtersuche in die Wälder getrieben wurde, holte man nun auch noch das Laub aus dem Wald heraus, um es als Einstreu zu verwenden. Mit fatalen Folgen: Mit dem Laub verschwanden auch die bei der Zersetzung organischen Materials anfallenden Nährstoffe, die für die Bäume lebenswichtig sind. Den Zustand des Schönbuchs um 1800 beschreibt Goethe in seinem Reisetagebuch: »Einzelne Eichbäume stehen hie und da auf der Trift«. So gesehen war es ein Glück, dass die württembergischen Standesherren im Schönbuch auch ihrer Jagdleidenschaft frönten und im 19. Jahrhundert damit begannen, die Wälder wieder aufzuforsten. Um der unkontrollierten Nutzung Herr zu werden, mussten gleichzeitig die jahrhundertelang ausgeübten Nutzungsrechte der umliegenden Gemeinden abgelöst werden. Für die einfachen Menschen machte der eingeschränkte Zugriff auf die Wälder das Leben vermutlich nicht einfacher. Im Jagdschloss und vormaligen Zisterzienserkloster in Bebenhausen befinden sich heute unter anderem die Naturparkverwaltung und unser Besucherzentrum.

Neben keltischen Hügelgräbern zeugen im Schönbuch mehr als 240 Kleindenkmale wie Wegekreuze, Grenzsteine oder Brunnen von einer vielfältigen Kulturgeschichte. Und auch die Natur passte sich an die menschliche Nutzung an: Typisch für die historische Nutzungsform der Waldweide sind z. B. alte Eichen mit breiten Kronen, die reichlich Früchte hervorbringen. Einen solchen Hutewald kann man heute wieder zwischen Waldenbuch und Weil im Schönbuch erleben. Im Naturschutzgebiet Neuweiler Viehweide gestalten Pferde und Ziegen den Wald wie einst zu einer parkartigen Landschaft. Von der Aussichtskanzel Hirtensitz aus kann man sie in den Sommermonaten dabei beobachten.

Gut zu wissen

Rundweg am Naturschutzgebiet Neuweiler Viehweide, Wanderparkplatz Totenbachmühle (Weil im Schönbuch) oder Parkplatz Oberes Tal zwischen Waldenbuch und Obere Rauhmühle, 71111 Waldenbuch, www.tourismus-bw.de/Media/Touren/Spaziergang-Neuweiler-Viehweide. Anreise: Haltestelle Waldenbuch Postamt, Bus (Linien 760, 86/826, 828).

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Wälder mit Kulturgeschichte im Naturpark Schönbuch 48.641757, 9.102688 Naturschutzgebiet Neuweiler Viehweide, 71111, Waldenbuch (Routenplaner)