ScottyScout im Gespräch mit Margit Riedinger

Margit Riedinger ist Mitglied der »Obstler«, einer Gruppe von Kulturlandschaftsführern im Neuffener Tal, die sich für den Erhalt der Streuobstwiesen einsetzt:

Die Streuobstwiesen im Neuffener Tal sind eine jahrhundertealte Kulturform. Ursprünglich halfen sie die Obstversorgung (nicht zuletzt die Vitaminversorgung) zu sichern, deshalb wurden sie oft als Ring oder Gürtel um das Dorf angelegt. Streuobstwiesen weisen meist eine Vielzahl von Obstarten und Sorten auf: Apfel, Birne, Kirsche, Zwetschge und Walnuss. Die Sorten sind oft selten, da regional gezüchtet oder ausgelesen. Das sagen schon manche Namen, etwa die Apfelsorte Linsenhofer Sämling (auch als Schöner aus Beuren bekannt). Durch die Züchtung vor Ort sind die Sorten gut an die hiesigen Bedingungen angepasst und oft sehr widerstandsfähig, zudem benötigen sie keine Biozide.

Eine wichtige Funktion übernehmen die Obstwiesen als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten. Zum Beispiel Vogelarten wie der Grünspecht, Halsbandschnäpper oder Wendehals. So manche Fledermausart kann in hohlen Bäumen oder Rindenspalten ein Sommerquartier finden oder gar eine Wochenstube einrichten. Eine artenreiche Streuobstwiese kann locker 20 bis 40 Pflanzenarten aufweisen. Gerade die Wiesen um Beuren und Neuffen zählen zu den artenreichsten ihrer Art. Im Mai und Juni zeigen sie sich in ihrer schönsten Farbenpracht.

Die Streuobstwiesen im »Täle«, wie das Neuffener Tal im Volksmund genannt wird, haben für die Menschen dort eine besondere Bedeutung. Die Kirschenblüte im April/Mai wird als »Schwäbisches Hanami« bezeichnet und ist einen Ausflug wert! Im Herbst locken die Apfelernte und die Verkostung von Saft und Most. Für die Einheimischen sind die Obstwiesen »Heimat« und Genuss, bedeuten aber auch viel Arbeit und Engagement. Leider geht das Wissen über Veredelung und Pflegeschnitt mehr und mehr verloren. Das Freilichtmuseum in Beuren hat einen dauerhaften Schwerpunkt zum Thema Streuobst – ein guter Anlaufpunkt, wenn unsere Führungen ausgebucht sind.

Mein persönlicher Tipp: Entweder im Frühjahr früh morgens zum Vogelkonzert auf die Streuobstwiese, oder im Sommer mittags, dann unter einem Baum liegend und auf Augenhöhe in die Wiesenlandschaft linsen oder in den Himmel gucken. Und im Herbst zur Apfelernte, da kann man richtig zupacken und ist abends »rechtschaffa müd«.

Gut zu wissen

Freilichtmuseum Beuren, In den Herbstwiesen, 72660 Beuren, www.freilichtmuseum-beuren.de. Öffnungszeiten: Apr. bis Okt., Di. – So. 9 bis 18 Uhr, an Feiertagen auch montags. Buchung von Führungen durch Streuobstwiesen mit Obstlern: Tel. +49 (0)7181 45582, jung.schorndorf@t-online.de. Anreise: Haltestelle Freilichtmuseum Beuren b. Nürtingen, Bus (Linien 179, 199).

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Apfelschnitz und Blütenmeer – Streuobstwiesen im Neuffener Tal 48.576800, 9.415310 Freilichtmuseum Beuren, In den Herbstwiesen, 72660 Beuren (Routenplaner)