von Gastautorin Barbara Rohrberg

Barbara Rohrberg hat Jahrzehnte in Degerloch gewohnt, mit der Zahnradbahn ist sie in ihrer Jugend täglich zur Schule gefahren:

Allabendlich vollzieht sich unterhalb der Zahnradbahnhaltestelle Liststraße ein besonderes Spektakel: Dann nimmt die »Zacke« nicht wie gewohnt die Stecke Richtung Marienplatz, sondern zweigt rechts in Richtung des alten Zahnradbahnhofs ab. Schon längst ist der letzte Fahrgast ausgestiegen, die Zacke geht schlafen. Vom ursprünglichen Zahnradbahnhof steht nur noch der Mittelteil und eine Werkstatthalle, in der die Zahnradbahn für Reparaturen aufgebockt werden kann. Richtig ruhig ist es allerdings nicht im Schlafzimmer der Zacke. Seit 1988 befindet sich das Theater Rampe in dem alten Gebäude. Jeden Abend gegen 21 Uhr fährt die Bahn in das Foyer des Theaters ein, das auch ab und zu für Festivitäten genutzt wird, wie für die Neujahrsfeier der Stuttgarter Grünen vor ein paar Jahren, bei der uns der damals neue Bürgermeister der Stadt mit einer schwungvollen Rede im Beisein der Zacke ein frohes neues Jahr wünschte.

Und noch etwas befindet sich im Foyer: Eine Ausstellung zur Geschichte der Zacke. Infotafeln an den Wänden gehen detailliert auf die unterschiedlichen Aspekte von der Entstehung über die Beziehung der Zacke zu Degerloch bis hin zu einzelnen Haltestellennamen ein. Als die Bahnstrecke 1884 eröffnet wurde, war Degerloch noch ein Dorf hoch oben am Rande der Filderebene, geprägt vom Weinbau und der Feldwirtschaft auf den Fildern. Mit der direkten Anbindung von Degerloch an die tief unten liegende Stadt Stuttgart kamen nicht nur die Arbeiter von der Filderebene in die Fabriken in der Stadt. Umgekehrt entdeckten auch die Industriellen aus dem »verräucherten Talkessel« die Lebensqualität direkt am Steilabfall: Allein in den ersten Jahren entstanden über 70 Villen und großzügige Bürgerhäuser in Degerloch und der neu entstandenen Haigstsiedlung. Bald avancierte Degerloch sogar zum Luftkurort mit nicht weniger als drei Kurhäusern, eines davon auf der Hohenwaldau. Ab 1908 gehörte Degerloch dann als Gemeinde zu Stuttgart.

Die Zacke hat nicht nur für Degerloch für einen Entwicklungsschub gesorgt, sondern hat auch dem Theater Rampe eine neue Heimat gegeben. Und die allabendlichen Aktivitäten im Theaterfoyer passen zum überregionalen Ruf des Theaters als umtriebige und avantgardistische Spielstätte von Theater- und Performancekunst.

Gut zu wissen

Theater Rampe, Filderstraße 47, 70180 Stuttgart, www.theaterrampe.de. Die Ausstellung »125 Jahre auf Zack« ist Mo. – Fr. von 14 bis 18 Uhr geöffnet, sowie eine Stunde vor Vorstellungen. Eingang durch den Hof. Anreise: Haltestelle Marienplatz, Zahnradbahn.

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Im Schlafzimmer der Zacke - Theater Rampe und Ausstellung zur Geschichte der Bahn 48.763739, 9.170557 Filderstraße 47, 70180 Stuttgart (Routenplaner)