von Gastautor Rainer Arnold

Rainer Arnold ist seit 1998 Mitglied des Deutschen Bundestags und leitet das SPD-Wahlkreisbüro in Nürtingen:

Bescheidenheit ist eigentlich eine schwäbische Tugend. Im Neuffener Tal heißt es aber »Z’ Laisahofa ufm Sand, wächst der Beschd im Oberland«. Gemeint ist natürlich der Wein, und »Sand« bezeichnet eine Hanglage über dem Frickenhäuser Teilort Linsenhofen. Wie viel Wahrheit steckt also hinter einer eigentlich so untypischen Redewendung?

Mit der Tälesbahn gelangt man schnell von Nürtingen nach Neuffen und zu den touristischen Hauptzielen des Neuffener Tals wie der Festungsruine Hohenneuffen, dem Freilichtmuseum oder der Panoramatherme Beuren. Aber wer die Region zwischen Neckar und Alb wirklich kennenlernen will, sollte an den Genüssen für Herz und Seele nicht einfach vorbeiziehen. In die sanften Hügel der größten zusammenhängenden Streuobstanbaufläche Europas eingebettet, gibt es kulinarisch Interessantes zu entdecken. Einen meiner Lieblingsweine habe ich im Weingut Dolde im Linsenhofen gefunden – natürlich unter anderem aus dem Linsenhöfer Sand. Mein Geheimtipp sind die Weißweine, vor allem der ortstypische Silvaner, dessen uriger Charakter durch den vulkanischen Boden besonders betont wird.

Aber auch die Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck hat sich in den vergangenen Jahren bemerkenswert entwickelt. In der Kelter in Neuffen kann man die neue Premiumreihe K8 mit einem Weißburgunder und einem Acolon testen. K8, das steht nicht nur für den Kelterplatz 8, Stammsitz der Genossenschaft in der höchstgelegenen Weinbauregion des Landes, sondern gleichsam für die acht darin zusammengeschlossenen Ortschaften von Kohlberg bis Weilheim. Diese waren einst so eng mit dem Weinbau verwoben, dass sich die Kirchenvertreter in den Gemeindevisitationen des 19. Jahrhunderts unter anderem über Alkohol als Sedierungsmittel für Kinder zu Recht beschwerten. Die Einwohner im eingangs erwähnten Linsenhofen werden übrigens auch die »Staren« genannt. Dieser kleine Vogel war einst in den zahlreichen Kirschbäumen, die im Frühjahr das Tal in ein weißes Meer verwandeln, häufig anzutreffen. Und natürlich wurde aus den Kirschen vor allem eines gemacht: Schnaps. Linsenhofen war lange bekannt dafür, im Verhältnis zu den Einwohnern die meisten Brennereien in Württemberg aufzuweisen.

Gut zu wissen

Weingut Dolde, Beurener Straße 16, 72636 Frickenhausen-Linsenhofen, www.doldewein.de, Tel. +49 (0)7025 4982. Öffnungszeiten: Do. 16 bis 19 Uhr, Sa. 10.00-13.00 Uhr. Gerne auch zu anderen Zeiten nach telefonischer Vereinbarung. Weingärtnergenossenschaft Hohenneuffen-Teck, www.weingaertner-neuffen.de. Anreise: Haltestelle Linsenhofen oder Neuffen, Tälesbahn.

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Genießen im Neuffener Tal – Weinbau und Winzer 48.578875, 9.374334 Beurener Straße 16, 72636 Linsenhofen (Routenplaner)