von Gastautorin Barbara Zeppenfeld

Die Autorin betreibt die ArcheSchäferei in Reutlingen-Bronnweiler:

Wer im Sommer im Biosphärengebiet wandern geht, wird kaum umher kommen ohne irgendwo einer Herde Schafe zu begegnen. Wacholderheiden, Hochwiesen und Streuobstgürtel sind in ihrer Geschichte eng mit Weidetieren, allen voran den Schafen, verknüpft. Was uns heute so selbstverständlich erscheint, war nicht immer so. Die Schwäbische Alb ist eine uralte Kulturlandschaft. Die weiten offenen Landschaften entstanden jedoch erst durch Rodung der alten Wälder. Seit etwa 5.000 Jahren beteiligt sich das Vieh an der Offenhaltung. Weil die Alb ein Magerstandort ist, hat sich über die Jahrhunderte hinweg die Schafhaltung etabliert und die freundlichen Tiere haben mancher Familie das Leben gesichert durch Gaben von Wolle, Milch, Fleisch und Dung.

Im späten Mittelalter zogen die Landesherren und Fürsten Schafzucht und Wollvermarktung an sich. Doch waren die Tiere klein, die Wolle kratzig. Als der spanische König einige seiner großartigen Merino-Zuchtböcke verkaufte, schickte 1786 Herzog Karl-Eugen auch seine schwäbischen Schäfer nach Spanien. In einer Monate dauernden Wanderung brachten diese die begehrten Schafe mit der weichen Wolle auf die Alb. Die Blütezeit der süddeutschen Wollproduktion und der Wanderschäferei begann.

Heute zerschneiden Straßen und Schienen das Land und das Wandern mit den Tieren ist mühsamer und gefährlich geworden. Viele der alten Routen sind nicht mehr nutzbar, doch einige Wanderschäfer sind noch unterwegs. Die meisten ihrer Tiere zählen zur Rasse Württemberger-Merino-Landschaf. Für die Pflege des Albtraufs und die kleineren Biotope und Sonderflächen des Biosphärengebietes sind seit einigen Jahren auch kleinere Landschaftspflegeherden zu finden – mit seltenen Schafrassen, die schon fast verloren waren. Die Waldschafe und Steinschafe der ArcheSchäferei kümmern sich im Wiesaztal um artenreiche Streuobstwiesen und Biotope.

Wer Interesse hat, diese schönen und freundlichen Tiere zu besuchen, kann dies bei einer der vielen Aktivitäten der ArcheSchäferei tun. Wir bieten Ferienkurse und Weidebesuche für Familien und Schulklassen sowie Schafpatenschaften mit Herdenanschluss. Ein unvergessliches Erlebnis ist eine Wanderung mit Schäferin, den Hütehunden und der gesamten Schafherde durch die Streuobstwiesen am Reutlinger Albtrauf.

Gut zu wissen

ArcheSchäferei, 72770 Reutlingen-Bronnweiler, www.arche-alb.de, Tel. +49 (0)172 5355499. Treffpunkt der Aktivitäten: Taubronnenweg/Kinderspielplatz. Aktuelle Termine zu Wanderstrecken auf der Webseite. Anreise: Haltestelle Bronnweiler Mitte, Bus (Linie 5, 155).

Weitere Aktivitäten: Schäfertage im Freilichtmuseum Beuren, SlowSchaf-Messe im Albgut Münsingen, Projekt Wollwerk.

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Unterwegs im Wiesaztal mit den Schafen der ArcheSchäferei 48.449759, 9.138218 Taubbronnenweg/Kinderspielplatz, 72770 Reutlingen-Bronnweiler (Routenplaner)