Während seines Aufenthaltes in Bad Freienwalde suchte Theodor Fontane den Volksdichter Karl Weise auf, dessen Werke er so sehr schätzte, dass er ihn in den »Wanderungen« als »Hans Sachs von Freienwalde« bezeichnete – eine Anspielung auf den berühmten Nürnberger Meistersinger des 16. Jahrhunderts. Fontane kam damals ohne Ankündigung bei Herrn Weise vorbei, »um das Handwerk zu grüßen« und, »wenn irgend möglich, den Abend mit ihm draußen zu verplaudern«. Dies taten sie dann auch bei einem Spaziergang zum Schlosspark.

Ich folge den beiden Dichtern heute und suche zunächst, wie auch Fontane einst, das Haus, in dem Karl Weise wohnte. Es steht in der heutigen Königstraße 36, zwischen Georgenkirch- und Rathenaustraße. Zu Fontanes Zeit war es »das letzte Haus«. Eine Gedenktafel erinnert an den Volksdichter Karl Weise. Später zog er in die Gesundbrunnenstraße 13, das Haus wird heute als Ferienwohnung vermietet. Es steht ein wenig zurückgesetzt, zwischen herrschaftlichen Gründerzeitbauten. Ich schreite von der Königstraße, den beiden Dichtern folgend, »dem unmittelbar vor der Stadt gelegenen Schloßgartenberg zu«. Nach wenigen hundert Metern ist dieser erreicht und ich wähle den Zugang zum Park linkerhand an der Berliner Straße. Auch über das Schloss von Bad Freienwalde hat Fontane ausführlich geschrieben. Besonderes Augenmerk richtet er dabei mit süffisanter Feder auf den seiner Ansicht nach biederen Einrichtungsstil der Hohenzollern: »Sie haben nämlich nicht das Bedürfnis, sich ausschließlich mit hoher […] Kunst zu umgeben, sondern gestatten […] auch dem Niedriggeborenen in der Kunst […] den Zutritt in ihr Haus.« Leider gibt es heute im Schloss fast keine Möbelstücke aus jener Zeit mehr zu bewundern.

Nicht verzagen, denn auch Fontane und Weise lassen »Schloß und Pavillon am Abhange des Berges liegen und steigen höher hinauf, wo schmale, durchs Parkholz geschlagene Wege in endlosen Windungen die obere Hälfte des Hügels umziehen. Kein besserer Plauderweg denkbar.« Na, mir geht auf dem steilen Pfad oberhalb vom Schloss ziemlich schnell die Puste aus. Und dabei noch plaudern? Einmal oben angekommen, ist der Blick zwischen den frühlingsgrünen Laubbäumen hindurch zum Schloss ein Genuss, und von hier an läuft es sich auch angenehmer durch die Höhen des Parks. Auf einer Bank in idyllischer Ruhe beende ich meinen Spaziergang mit den Worten Karl Weises, die auch sein neu gewonnener Freund im Gedächtnis behielt:
»Wir sind nicht bloß zum Wandern
(Wie’s immer auch gefällt),
Wir sind zu manchem andern
Und bessrem in der Welt.«

Gut zu wissen

Karl-Weise-Haus, Gesundbrunnenstraße 13, 16259 Bad Freienwalde. Das Karl-Weise-Haus wird als Ferienwohnung vermietet und ist nur von außen zu besichtigen. Informationen zum Schloss Bad Freienwalde: www.schloss-freienwalde.de. Anreise: Bahnhof Bad Freienwalde, Regionalbahn.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Bad Freienwalde Tourismus GmbH

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»Kein besserer Plauderweg denkbar« – Ein Spaziergang mit Theodor Fontane und Karl Weise 52.778900, 14.029900 Karl-Weise-Haus, Gesundbrunnenstraße 13, 16259 Bad Freienwalde (Routenplaner)