Eher unauffällig liegt die Villa Marx am Rande des Stadtparks im Zentrum von Herzberg. Sie versteckt ihre Schönheit hinter einer graubraunen Fassade. Asymmetrisch angeordnete Elemente deuten auf den Jugendstil hin: hier ein langgezogenes und zugleich schlichtes Ornament, dort ein Balkon mit massiver Balustrade. Diese geordnete Unruhe zieht mich an. Auch der Garten zeigt mir seinen Charme erst, als ich mich auf ihn einlasse. Ist die schmale Brücke über den Mühlgraben überschritten, breitet sich vor dem Besucher ein wahres Kleinod der Gartenkunst aus. Hier hat jemand die Prinzipien des Jugendstils von dem Gebäude auf die Natur übertragen. Beim Spaziergang durch den Garten fordern Asymmetrien und Brüche das eigene Denken heraus: Der Weg beschreibt einen weiten Bogen, verschwindet zwischen Sträuchern, dahinter unvermittelt ein kleiner Wald aus Rhododendron in voller Blüte und um eine weitere Kurve der Blick auf einen japanischen Senkgarten mit Teich und terrassierten Beeten rings herum.

Seit der Fabrikant Wilhelm Marx das verwilderte Grundstück am Mühlgraben in Herzberg 1903 erwarb, den Garten anlegen ließ und 1905 bis 1908 die Villa baute, ist der Garten Brüchen und Umbrüchen ausgesetzt, erzählt mir der Stadtgärtner Reinhard Straach. Nach 1945 gingen Park und Villa in Volkseigentum über, es fehlten der Wille und das Fachwissen, den Garten zu erhalten. Er verwilderte zusehends. Es ist dann eher dem persönlichen Engagement einer Kollegin von Reinhard Straach geschuldet, dass der Garten 1987 aus seinem Dornröschenschlaf erweckt wird. In mühevoller Arbeit wird teilweise auch nach Feierabend gegraben, gejätet und wieder hergerichtet. Dann die Wende. Nachfahren der Familie Marx verzichteten auf das Erbe und überließen das Anwesen der Stadt Herzberg mit der Maßgabe, dass es nicht verkauft werden darf, sondern der Öffentlichkeit zugänglich bleibt. Stück für Stück entsteht der ursprüngliche Garten. Sogar die Namensschilder aus Keramik an den Pflanzen sind Einzelanfertigungen. »So ein Garten ist viel Handarbeit, das wollen immer weniger Menschen machen«, sagt Straach. Zwischen einzelnen Führungen sitzt er am liebsten auf der Bank im japanischen Senkgarten: »Der Blick über die Teichfläche ist unglaublich beruhigend. Man kann sich richtig versenken. Jetzt brauchen wir noch jemand mit einem guten Konzept, das auch die Villa zu neuem Leben erweckt.«

Gut zu wissen

Luther PassVilla Marx mit Botanischem Garten Herzberg, Badstraße 8, 04916 Herzberg Öffnungszeiten: werktags ab 7 Uhr, samstags, sonn- und an feiertags ab 9 Uhr. Mit Einbruch der Dunkelheit wird der Garten geschlossen. Der Eintritt ist frei. Anreise: Haltestelle Lugstraße, Bus Linie 520 ab Herzberg (Elster) Bahnhof (nur wochentags, Fußweg vom Bahnhof 45 Min.)

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Luther Pass. Bad Liebenwerda ist einer von acht Luther Pass-Stempelorten.

Karte wird geladen - bitte warten...

Innere Versenkung im Botanischen Garten in Herzberg 51.688100, 13.241600 Badstraße 8 Brandenburg, Deutschland (Routenplaner)

Pin It on Pinterest

Share This