Die Treppe nach oben scheint endlos, krumm getreten ist sie auch. Einmal oben auf dem Czcibor-Hügel angekommen, sollte man sich unter den Fittichen des riesigen steinernen Adlers niederlassen und seiner Blickrichtung nach Westen auf das Oderbruch folgen. Es war der triumphale Blick auf deutsches Feindesland, vom westlichsten Zipfel Polens aus gesehen. Nach 1945 legte dieses kleine Kaff, man muss es so nennen, namens Cedynia in den polnischen Geschichtsbüchern einen kometenhaften Aufstieg hin.

Auf der Suche nach historischer Legitimation für die Verschiebung der Grenzen ihres Landes bis zur Oder, lenkten die Historiker der Volksrepublik Polen ihre Aufmerksamkeit auf eine Schlacht, die hier im Jahre 972 zwischen dem Markgrafen der Lausitz Hodo und dem piastischen Herzog Mieszko I. stattgefunden haben soll. Schon damals habe sich der polnische Herrscher (Mieszko), der den 10-Złoty-Schein ziert, gegen einen »deutschen« Angreifer (Hodo) durchgesetzt und das Land an der Oder zu polnischer Erde gemacht. Nun, nach Jahrhunderten »deutscher Okkupation«, seien die Polen in ihr angestammtes Land zurückgekehrt, so die Erzählung. Ein Mosaik am Fuße des Hügels illustriert die Schlacht. Die Tausendjahrfeier 1972 dauerte eine Woche, Delegationen aus ganz Polen reisten damals an, um den »Sieg bei Cedynia« zu begehen.

Die Geschichtsbilder haben sich längst verändert. Cedynia ist immer noch ein Kaff, aber die Deutschen sind nicht mehr Feinde aus Büchern, sondern Partner und gute Kunden auf dem nahe gelegenen Grenzbasar Osinów Dolny. Ob die Schlacht bei Cedynia eine deutsch-polnische war, ist unter polnischen Historikern nun umstritten. Mieszko hatte das Land nach der Eroberung vom römisch-deutschen Kaiser Otto I. als Lehen genommen. Manche bezweifeln ganz und gar das Ereignis, weil handfeste Quellen fehlen. Historiker in Brandenburg lokalisieren die Schlacht wiederum in Zehdenick, nördlich von Berlin. Sei es drum: Sie wird trotzdem jedes Jahr im Juni in Cedynia nachgespielt.

Gut zu wissen

Im Ort gibt es ein altes Kloster, in dem man gehoben essen und übernachten kann: www.oldmonastery.pl. Anreise mit dem Fahrrad: Vom Oder-Neiße-Radweg führt der Weg nach Cedynia über den Grenzübergang Hohenwutzen, vorbei am Basar der Landstraße 124 folgen, nach zweieinhalb Kilometern erhebt sich rechts der Czcibor-Hügel. Cedynia selbst liegt noch gut einen Kilometer nordöstlich davon an der Landstraße.

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Cedynia - ein Berg, ein Mythos, eine Feindschaft 52.849600, 14.146300 Osinów Dolny, West Pomerania, Polen (Routenplaner)

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