Bewegt man sich durch ehemals prosperierende Städte im Land Brandenburg, tauchen sie immer wieder entlang des Weges auf. Mal mit blinden Fensteröffnungen, Einladungen für „Urban Exploring“, mal herausgeputzt und für einen neuen Zweck restauriert. Industrielle Klinkerbauten, meist entstanden um die Wende zum 19. Jahrhundert. In der sozialistischen Plan- und Mangelwirtschaft langsam zerfallen, nur das Nötigste wurde repariert.

Eines der Gebäude, das das Glück hatte, restauriert zu werden, ist das Dieselkraftwerk in Cottbus. Es beherbergt gleichnamiges Kunstmuseum (DKW). Ich bin durch Zufall dort hin geraten. Und bin jetzt noch fasziniert von Gebäude und Ausstellungsstücken. Was es in Berlin an Museen in Hülle und Fülle gibt – zeigt hier an diesem entlegenen Ort in Brandenburg eine ganz besondere Anziehungskraft. Vielleicht weil es hier so wenig Ablenkung gibt. Konzentration auf das Wesentliche.

Da ist das Gebäude, 1928 erbaut von Werner Issel. Ein weit in die Zukunft denkender Architekt von Industriebauten. Das zeigt die kleine Episode, die uns die Museumsleiterin bei einer Führung erzählt: Im Gebäude finden sich überall Wandfliesen mit einer besonderen Lasur. Bei der Restaurierung des Gebäudes fand man überraschend einen ganzen Stapel dieser Fliesen eingemauert in einer Zwischenwand. Am damaligen Bauherren vorbei geschleust, aufbewahrt für den späteren Erhalt des Gebäudes. Viele Geschichten dieses Formats verbergen sich zwischen den Mauern und in den besonderen Winkeln des Gebäudes.

Und dann sind da natürlich die verschiedenen Sammlungs- und Ausstellungsstücke. Nach der Wende öffnete das Museum den Blick nach außen, weit über die regionalen und nationalen Grenzen hinweg. Aber auch die Sammlungsgeschichte vor der Wende ist eine Besonderheit, befand sich das Museum doch außerhalb des Fokus der sozialistischen Kunstbeobachtung – und konnte sich gerade deshalb ein paar Besonderheiten leisten. Dieses Museum für zeitgenössische Kunst, Fotografie und Plakatkunst lohnt einen Besuch, auch oder ganz besonders für großstadtverwöhnte Kulturgängerinnen und –genießer.

Und zu guter Letzt ist da noch die schöne Lage auf der Mühleninsel direkt neben der Altstadt von Cottbus. Ein großer Teich vor dem Gebäude, Wasserkanäle rings herum. Das lässt sich sommers und winters herrlich kombinieren mit einem Stadtrundgang oder einer kleinen Wanderung entlang der Spreeauen zum Schloss Branitz.

Gut zu wissen

Kunstmuseum 
Dieselkraftwerk Cottbus, 
Uferstraße/Am Amtsteich 15,
 03046 Cottbus, www.museum-dkw.de. Öffnungszeiten: Di. bis So. 10 bis 18 Uhr,
 Mo. geschlossen. Anreise: Haltestelle Altmarkt, Bus (Linie 5N), Straßenbahn (Linien 2, 5).

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Industriebauten aus Backstein – Neuer Aufbruch im Kunstmuseum Dieselkraftwerk Cottbus 51.759500, 14.338610 Am Amtsteich 15, 03046, Cottbus, Deutschland (Routenplaner)

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