Mit der Festlegung der Lausitzer Neiße und der Oder als deutsch-polnische Grenze im Potsdamer Abkommen von 1945 wird der östliche Teil der Stadt Guben mit seinem historischen Zentrum zum polnischen Gubin (pl./sorbisch). Im Jahr 1033 das erste Mal als Siedlung erwähnt, liegt Guben an der Kreuzung der Handelsstraßen von Leipzig nach Posen und von Görlitz nach Frankfurt (Oder). Im Zuge der deutschen Ostsiedlungen wurde auch hier ein Kloster gegründet, dieses Mal von den Benediktinern. Der Stadtteil “Klostervorstadt” zeugt noch heute davon.

Im Mittelalter zankten sich mal die Markgrafen der Niederlausitz, mal die Machthaber in Böhmen um die Stadt. Guben liegt am Rande des sorbischen Siedlungsgebietes. Die dort lebenden Sorben wurden in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts Ziel der Germanisierungspolitik der evangelischen Kirchen. Zum Ende des 18. Jahrhunderts war das Sorbische aus dem Alltag verschwunden.

Neben dem Handel am Kreuzungspunkt der Handelsstraßen, wurde im 16. Jahrhundert die Tuchmacherei und ab 1561 das Salzsieden zu weiteren Wirtschaftszweigen der Stadt. 1848 startete die Förderung der Braunkohle. Damit stieg die Zahl der Tuchfabriken im Rahmen der Industrialisierung stark an. Mitte des 19. Jahrhunderts kamen dann die Hutmacher dazu, die mit ihrem »wetterfesten Wollfilz« den Weltmarkt eroberten. Im dritten Reich wurde durch die Rheinmetall-Borsig AG Düsseldorf ein Werk zur Rüstungsproduktion in Guben errichtet. Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene leisteten einen Teil der Arbeit in den Fabriken. 1945 wurde fast 90% des historischen Stadtkerns zerstört. Die imposante Ruine der Stadtkirche auf der polnischen Seite (Gubin) erinnert heute noch daran. Während der DDR wurden vor allem chemische Erzeugnisse, Hüte und Textilien hergestellt.

Nachdem 1999 ein algerischer Asylbewerber bei einer Hetzjagd von rechtsradikalen Jugendlichen ums Leben kam, erschien Guben überregional negativ in den Medien. 2006 ließ sich der umstrittene Plastinator Gunther von Hagens in der ehemaligen Hutfabrik nieder – eine kontrovers diskutierte Ansiedlung.

Du spürst die wechselvolle Geschichte der Stadt und der Stadtentwicklung, wenn du sie auf dem Oder-Neiße-Radweg durchfährst. In jedem Fall lohnt eine Rundtour durch den historischen polnischen Teil von Gubin.

Gut zu wissen

Die Doppelstadt Guben/Gubin ist ein guter Ausgangspunkt für Ausflüge in die Niederlausitz und ins Nachbarland Polen, www.niederlausitz.de. Anreise: Bahnhof Guben (Regionalbahn).

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Guben und Gubin – die geteilte Stadt an der Neiße 51.957300, 14.711200 Uferstraße 26 Brandenburg, Deutschland (Routenplaner)