Die Autofahrt durch Altes Lager hat mich als Kind immer fasziniert. Links und rechts kilometerlange Mauern, dahinter eine unbekannte und unzugängliche Welt. Altes Lager war rechts und links der Hauptstraße eine »Verbotene Stadt«, bewohnt von Tausenden sowjetischen Soldaten. Einer dieser Soldaten war Iwanowitsch Koropkow, ein sowjetischer Offizier, der sich in eine deutsche Frau verliebte. Aus dieser Liebe entsprang ein kleiner Junge – Igor. Da solche Liebesbeziehungen trotz der offiziell kolportierten »Deutsch-Sowjetischen-Freundschaft« verpönt waren, wurde der Vater zurück in die Sowjetunion strafversetzt. Der Kontakt brach ab. Erst als 1957 die Regelungen gelockert wurden, konnten sie wieder Kontakt aufnehmen und Igor zog mit seiner Mutter für vier Jahre in die Sowjetunion.

Jahrzehnte später ist aus Igor Koropkow ein erwachsener Mann geworden, der in seinem Heimatort Altes Lager vor der Eröffnung eines Eiscafés stand. Um die nötige Genehmigung zu bekommen, musste der Name Russisch klingen. Im Eiscafé Mischka ging 1988 die erste Eiskugel über den Ladentisch. Benannt nach dem populären sowjetischen Märchenbär war ihm die Sympathie der zumeist sowjetischen Kundschaft sicher. Und auch wir machten hin und wieder einen Zwischenstopp bei unser Ortsdurchfahrt auf der einzigen offenen Straße der »Verbotenen Stadt«.

Mit der politischen Wende und dem Abzug der russischen Streitkräfte kam eine neue Zeit. Die Einwohnerzahl sank rapide und plötzlich ging es nicht mehr nur um Versorgung, sondern um Wettbewerb. Der Markt war von abgepacktem Eis überschwemmt. Das Eiscafé Mischka hatte eine schwierige Zeit durchzustehen, doch Igor hat sich durchgebissen. Der Laden ist heute eine Institution im Ort und der Umgebung, was auch daran liegt, dass Igor auf Qualität setzt. Sämtliche Eiskreationen macht er selbst. Er verwendet keine Billigprodukte. Bei der Vanille beispielsweise echte Madagaskar-Vanille. Selbst ausgedacht hat er sich das Kürbiskernöl-Eis. Dementsprechend ist die Terrasse bei schönem Wetter stets gut gefüllt.

Direkt neben dem Eiscafé Mischka gibt es auch noch einen kleinen russischen Supermarkt, denn nach der Wende zogen viele Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjetunion in den Ort. So hat sich in Altes Lager etwas russisches Flair bis heute halten können.

Gut zu wissen

Eiscafé Mischka, Treuenbrietzener Str. 22, 14913 Niedergörsdorf OT Altes Lager, Tel. +49 (0)3372 432009. Öffnungszeiten: März bis Oktober, täglich 12 bis 18 Uhr. Anreise: Bahnhof Altes Lager, Regionalbahn (Linie RB33).

Führungen zur sowjetischen Geschichte in Brandenburg können bei »Berlins Taiga« gebucht werden.

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Eiscafé Mischka - Russischer Bär schleckt Eis im märkischen Sand 52.015660, 12.996060 Treuenbrietzener Str. 22, 14913, Niedergörsdorf, Deutschland (Routenplaner)

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