»Was ist Schönheit?« habe ich mich gefragt, als ich neulich zufällig durch Saxdorf im Landkreis Elbe-Elster gekommen bin. Ein paar Antworten habe ich vor Ort gefunden. Nicht dass mir das Dorf sofort ins Auge gefallen wäre – es war eher ein versteckter Hinweis, dem ich intuitiv gefolgt bin: »Pfarrgarten« steht auf einem unscheinbaren Schild neben der schmucken Dorfkirche aus Backstein mit dem hölzernen Turm und der geschweiften Haube. Auch die Kirche drängt sich nicht auf, versteckt sich hinter Sträuchern, ist immer nur in Ausschnitten zu sehen.

Ich betrete den Garten durch das schmale Tor und merke sofort, dass sich hier ein ganz besonderes Kunstwerk vor mir ausbreitet. Man muss kein Gärtner sein, um sich von der gekonnt kombinierten Vielfalt an Pflanzen ergreifen zu lassen. Da lehnt sich eine feingliedrige Strauchpfingstrose in den Schatten eines korkenzieherartigen Apfelbäumchens. Der Boden wird bedeckt von niedrigem Hornklee, daneben duftet Phlox in Rosa und Weiß. Jede Pflanze scheint hier genau an dem Ort zu stehen, an dem sie sich am besten entfalten und die beste Wirkung erreichen kann – egal ob klein oder groß, ausladend oder eher unauffällig schmal.

Andächtig gehe ich über die teils verschlungenen Wege, verliere die Orientierung und komme an Weggabelungen vorbei, die ich zuvor aus einer anderen Richtung gekreuzt habe. Neben den Pflanzen überraschen mich Elemente aus Stein auf meinem Spaziergang durch diese gestalterische Harmonie. Hier sitzt ein Engel aus Sandstein in sich gekehrt neben einem Beet mit Sukkulenten zwischen Tuffsteinen, dort markiert ein schlanker Steinquader ein neues Beet und dann wieder lugt ein steinernes Gesicht zwischen einer Scheinzypresse hervor. Dies alles vor der Kulisse der mittelalterlichen Kirchenmauern und dem im Hintergrund hoch aufragendem Pfarrhaus.

Es ist vor allem der Anblick eines lebendigen Kunstwerkes, der mein Herz erreicht, die Vergänglichkeit, die auch etwas Tragik in sich trägt. Denn was passiert mit dem Garten, wenn der Gärtner mal nicht mehr ist? In dem kleinen Teepavillon erfahre ich, dass der Gärtner tatsächlich 2018 verstorben ist – der Künstler hieß Hanspeter Bethke, war Maler, Grafiker und Gärtner gleichzeitig. Wie lange wird es gelingen, den Garten mit seinen über 3.000 Pflanzen so schön zu halten, wie er sich vor meinen Augen offenbarte?

Gut zu wissen

Saxdorfer Pfarrgarten, Kunst & Kultursommer Saxdorf e. V., Hauptstraße 5, 04895 Uebigau-Wahrenbrück OT Saxdorf, www.saxdorf.de. Öffnungszeiten: April bis Oktober, Mi., Sa., So. 10 bis 18 Uhr; sowie in Verbindung mit Konzerten. Besichtigung 5 €. Anreise: Regionalbahnhof Falkenberg/Elster, von dort weiter mit dem Fahrrad oder dem Taxi (ca. 10 km).

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Hommage an ein Kunstwerk – der Pfarrgarten in Saxdorf 51.501529, 13.284638 Hauptstraße 5, 04895 Uebigau-Wahrenbrück OT Saxdorf (Routenplaner)