Als „Zugereiste“ aus dem Süden Deutschlands habe ich Dinge hier in Brandenburg entdeckt, von denen ich bisher gar nicht dachte, dass sie entdeckbar sind. Namen gehören dazu. Namen von Straßen und Namen von Stadien zum Beispiel.

Eine ortstypische Namensgebung betrifft das Wort „Freundschaft“. Da wurde aus dem Vollen geschöpft: In praktisch jedem brandenburgischen Dorf gibt es sie, die Straße der Freundschaft. Auch wenn es nur eine im Dorf gibt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das die Straße der Freundschaft ist. Allen Dorfstraßen zum Trotz.

Und dann kam noch eine Entdeckung dazu, in Cottbus. Das „Stadion der Freundschaft“ des Fußballklubs Energie Cottbus.

Ich fing an, nachzuforschen: Neben Cottbus finden sich weitere Stadien mit diesem Namen in Frankfurt (Oder), in Gera, Görlitz, Grimma und Stralsund. Zu Zeiten der DDR wurde dieses Wort millionenfach genutzt, als Gruß der Freien Deutschen Jugend (FDJ), der damaligen Jugendorganisation. Der Gruß war nicht ausreichend. In der FDJ gab es den Freundschaftsrat, das Leitungsgremium der FDJ. Facebook war da ein Klacks dagegen. Oder wer hat schon mal ein „Stadion der Freundschaftsanfrage“ oder eines „der Freundesliste“ gesehen?

Und dann gab es natürlich noch die Deutsch-Sowjetische-Freunschaft, inklusive Abzeichen. Eine ehemalige Arbeitskollegin, aufgewachsen in der DDR, hatte jedoch nicht viel Freundschaftliches zu erzählen: Bei Schüleraustauschen wurde streng darauf geachtet, dass die Vermischung und die freundschaftlichen Gesten nicht über das formale Besuchsprogramm hinaus gingen – und das hatte nicht nur jugendschutzrechtliche Gründe. Eine im jugendlichen Unverstand durchgemachte Nacht mit russischen Bekannten in verschiedenen Bars in Moskau während der Schülerfahrt hatte fast eine Verweigerung der Abiturzulassung zur Folge. Vielleicht war es auch nur Einbildung, aber während der Erzählung konnte ich mir buchstäblich die sorgenvollen Gesichter der Eltern vorstellen, als sie von den unerhörten Fehltritten der Tochter hörten.

Aber zurück zu Energie Cottbus und seinem Stadion. Im Winter fällt der grüne Rasenplatz auf. Der ist nämlich beheizt. Der Aufstieg in die 2. Bundesliga hat dem Verein ein Erneuerungsprogramm beschert und sie haben es tatsächlich geschafft, bei der Wiedereröffnung im Jahr 2008 2:0 gegen den FC Bayern München zu gewinnen. Nur die Brücke über die Gleise neben dem Stadion, auf dem Weg Richtung Altstadt entlang der Spree, die umgibt noch der verfallende Charme vergangener Tage.

Gut zu wissen

Stadion der Freundschaft, Am Eliaspark 1, 03042 Cottbus, 22.528 Plätze, www.fcenergie.de. Wer nicht explizit „Energie-Fan“ ist, sollte sich eine Karte in den Blöcken N, O oder S1 organisieren, sonst läuft man in Gefahr nicht eingelassen zu werden. Anreise: Haltestelle Vorpark, Bus (Linien 5N, 10, 33, 850, 851).

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Alles Freundschaft - Stadion Energie Cottbus 51.751570, 14.344810 Am Eliaspark 1, 03042, Cottbus, Deutschland (Routenplaner)

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