Östlich von Berlin durchzieht die Oder das Oderbruch. Von Friedrich dem Großen trocken gelegt, damals. »Ein gutes Geschäft für ihn«, sagen manche. Die ersten Kolonisten wussten wohl kaum, wohin mit ihrem Geld, meint Fontane. Eine große Fläche fruchtbaren Bodens.

Beim Wandern bietet das Oderbruch einige Überraschungen. Ein bisschen Zeit benötigt man, um es zu erkunden. Nicht immer einfach: Das Oderbruch wurde um 1750 trocken gelegt. Lange Kanäle und rechtwinklige Straßen durchziehen »das Bruch« – rechtwinklig sind auch die Wegstrecken. Das Oderbruch ist flach wie eine Flunder und landwirtschaftlich intensiv genutzte Fläche – es gibt bei der Durchquerung wenig Schutz vor der Sonne. Und schließlich: Die meisten Orte sind ohne regelmäßigen Nahverkehr, was Tagestouren etwas schwierig macht.

Die andere, anziehende Seite des Oderbruchs sind riesige Auenflächen direkt am Fluss, die je nach Wasserstand zu Fuß oder mit dem Kanu durchquert werden können. Es gibt eine unglaubliche Masse an Vögeln und anderen Tieren, zum Beispiel Biber. Einzelne Gutshöfe bieten zunehmend Übernachtungsmöglichkeiten. Teilweise ziemlich ausgefallene Örtlichkeiten. Und schließlich: Wer bis zum Horizont reichende Weite sucht – der findest diese ganz bestimmt im Oderbruch.

Ein Streckenvorschlag: Ab Küstrin-Kietz auf dem Oder-Neiße-Radweg nach Norden. Dazu muss man die Bahngleise Richtung Süden überqueren und Richtung Norden wieder unter denselben hindurch. Hinter Genschmar biegt rechts eine Teerstraße vom Deich ab in die Oderauen. Auf dieser Straße kann man parallel zur Oder durch die Auen bis nach Sophiental laufen – wenn man Glück hat. Je nach Wasserstand ist dieser Weg frei oder eben überschwemmt. Die sichere Variante ist der Radweg auf dem Deich. Schöner Blick auf Fluss und Auen. Der »Sophienthaler Polder«, wie diese Auenlandschaft genannt wird, kann in seiner Schönheit und Vielfalt durchaus mit dem Nationalpark »Unteres Odertal« mithalten – das weiß nur keiner.

Nach gut 20 Kilometern entlang des Flusses erreicht man Kienitz. Dort ist eine Übernachtung direkt am Oder-Neiße Radweg im »Uferloos«möglich. Und hier bietet sich noch eine ganz andere Möglichkeit, die Oderauen (besonders bei Hochwasser) zu erkunden: Mit einem ausgeliehenen Kanu.

Nach der Nacht in Kienitz sind es zehn Kilometer bis zum Bahnhof in Letschin mitten im Oderbruch. Den erreicht man zum Beispiel durch die wunderschöne Eichenallee nach Wollup.

Gut zu wissen

Wanderstrecke: ca. 37 km. Anfahrt: Mit der Regionalbahn ab Berlin-Lichtenberg nach Küstrin-Kietz. Abreise: Ab Letschin über Frankfurt (Oder) oder Eberswalde. Übernachtungsmöglichkeiten im »uferloos«, Reservierung ist ratsam: www.uferloos.de, Wanderwege sind nicht explizit ausgezeichnet.

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Das Oderbruch entdecken - zwei Tage mit Wanderschuh und Kanu 52.676798, 14.436035 Kienitz, Letschin, Deutschland (Routenplaner)