Sie heißen Emma und Sophie, haben flauschige braune Ohren, eine weiche Schnauze und ihr Anblick löst einen wahren Begeisterungssturm bei meiner Tochter aus. Wir haben eine Eselwanderung gebucht. Zusammen mit Freunden machen wir eine Tagestour durch die Uckermark. Das erfüllt Kinderträume und lässt den gestressten Großstädter Ruhe finden. So jedenfalls habe ich das gehört. Da stehen wir also an diesem wunderbaren Ort, staunen in die Landschaft, lächeln unsere Eseldamen an und werden ungeduldig. Für uns kann es jetzt losgehen.

»Erst beschnuppern wir uns mal«, sagt Katrin, die Chefin der Eselherde und erklärt uns den richtigen Umgang mit den Tieren. Dabei laden wir gemeinsam das Gepäck auf unser Lasttier. Dann geht es los. Wir nehmen unsere Emma und wollen loslaufen. Ein paar Meter klappt das auch, dann entscheidet sich Emma für eine Fresspause am Wegesrand. Ich rede ihr gut zu, locke, rufe, schmeichle, Emma kaut und bewegt sich nicht. »Nicht fressen lassen«, hat Katrin gesagt, aber auch nicht am Seil zerren. Ruhig und bestimmt reden und mit einem kleinen Zug am Seil signalisieren, dass es weitergeht. Ich bin ruhig und bestimmt, ich signalisieren was das Zeug hält, nichts, der Esel bewegt sich keinen Zentimeter. Erleichtert sehe ich, dass es unseren Freunden mit Sophie auch nicht anders geht.

Katrin hat das Spektakel seelenruhig beobachtet und kommt jetzt zu uns herüber. »Esel sind weder dumm noch störrisch«, sagt Katrin, nicht ohne sich ein Lächeln zu verkneifen und übergibt meiner Tochter das Seil. Und siehe da, sie hat den Dreh raus. Unsere Emma setzt sich in Bewegung. Wir gehen eine ganze Weile in diesem wiegenden Schritttempo und können uns nicht sattsehen an den sanften Hügeln, den Bächen und Seen und dem satten Grün um uns herum. Dann senkt Emma plötzlich den Kopf und fängt an zu fressen. »Esel kann man zu nichts zwingen, sie geben das Tempo vor«, höre ich noch Katrin sagen und gebe meine geplante Wanderroute auf. So ist es dann letztendlich keine Wanderung geworden, sondern eher ein gemächliches Schlendern von Rast zu Rast. Aber was hatten wir plötzlich Zeit an diesem Tag, zu reden, zu lachen, der Stille zu lauschen und in die Wolken zu gucken.

Der Abschied von Emma und Sophie am Ende des Tages fällt uns schwer. Doch wir wollen wieder kommen und vielleicht mal eine mehrtägige Tour machen, mit Übernachtungen an verschiedenen Stationen. Das erfüllt Kinderträume und lässt den gestressten Großstädter Ruhe finden. So jedenfalls stelle ich mir das vor.

Gut zu wissen

Eselwandern ist an einigen Orten in Brandenburg möglich, unter anderem bei Celine Native Caravan, Suckow 41, 17268 Flieth-Steglitz, www.wanderninbrandenburg.de,Tel. +49 (0)170 2450055. Anreise: Von Bahnhof Wilmersdorf (b. Angermünde) bis Haltestelle Suckow, Bus (Linie 504).

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Das Märchen vom sturen Esel — Eselwandern in der Uckermark 53.156330, 13.844480 Suckow 41, 17268 Flieth-Stegelitz, Germany (Routenplaner)