»Der Blumenthal«, das heißt der Blumenthal-Wald, ist der Name eines großen Forstreviers, das durch die von Berlin nach Wriezen führende Straße fast seiner ganzen Länge nach durchschnitten wird.

»Der Blumenthal« hat seine Romantik. Die Sage von untergegangenen Städten, verschwunden in Wasser oder Wald, begleitet den Reisenden auf Schritt und Tritt. Und ein schöner Wald ist »Der Blumenthal«. Der schönste Punkt der westlichen Hälfte ist der Gamen-Grund. Die Stelle zeigt eine besondere Schönheit. Allerhand Schmetterlinge wiegen sich auf und nieder, und die Vögel singen in einer Herzlichkeit, als sei dies das Tal des Lebens.

Die Westhälfte des »Blumenthals« ist der landschaftlich schönere Teil, aber die Osthälfte ist reicher an Sage und Geschichte. Der Wald hat uns bis an ein Vorwerk begleitet, dessen Stall- und Wirtschaftsgebäude bis hart an die Chaussee treten. Jenseits derselben fängt der Wald wieder an. Dies ist die Stelle, die wir suchen. Wir halten vor einem mit Steinmassen überdeckten Terrain. Dies Steinfeld ist die sogenannte »Stadtstelle«. Hier stand vor 500 Jahren das Städtchen Blumenthal. Die ältesten Nachrichten reichen bis auf 1375 zurück. Einiges spricht dafür, dass die Feldmark bereits wüst und wertlos zu werden begann. Ein Fluch schien über dem Ort ausgesprochen zu sein. Und eh ein Jahrhundert um war, war es ein unheimlicher Ort, eine »verwunschene Stelle«. Jeder mied sie. Und so wuchs die Sage und zog immer festere Kreise um die »Stadt im Wald«.

Ich besuchte im Jahr 1863 die Stadtstelle. Der Markstein ist eine Sehenswürdigkeit. Wir erkennen deutlich die Mauer, die Tore, die Hauptstraße, die Kirche, die einzelnen Häuser und Gehöfte, und ungerufen wie eine Vision steigt die alte Stadt aus ihrem Grabe wieder vor uns auf.

An Unheimlichen fehlt es noch immer nicht. Das Wildschwein hat es nicht vergessen, dass jahrhundertelang ihm diese Stelle gehörte, und in den Sommernächten bricht es in sein altes Revier ein, erst in die »Suhle«, dann in die Saat und tritt nieder und wirbelt auf. Wer dann im »Blumenthal« seines Weges kommt, der hört ein Lärmen und Johlen, ein Grunzen und Quietschen wie in alter Zeit, und er weiß nicht, ist es ein Hexensabbat oder die Wilde Jagd.

Anmerkung der Herausgeber: Inzwischen ist seit Theodors Niederschrift noch einmal viel Zeit vergangen. Heute, über 150 Jahre später, ist, außer einem ungewöhnlich flachen Findling, von der Stadt Blumenthal nichts mehr zu sehen.

Gut zu wissen

Anfahrt mit der Berliner S-Bahn bis Strausberg Nord. Die »Stadtstelle« liegt etwas abseits der Landstraße zwischen Tiefensee und Prötzel am Rand des größeren Feldes. Die Besichtigung kann mit einer schönen Rundwanderung (ca. 17 km) durch den Wald verbunden werden. Geisterfänger nehmen hier immer wieder Messungen vor — bislang ohne wesentlichen Erfolg.

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Der Blumenthal 52.646007, 13.916265 Stadtstelle 15345, Prötzel, Deutschland (Routenplaner)