Alle Versprechen blieben unerfüllt. Stadt der Rosen, der Radrennen, das deutsche Manchester. Gut, dass im Dezember keine Rosen blühen, damit konnte man rechnen. Und wer setzt sich in diesem Monat schon in kurzen Hosen auf ein Rennrad?

Aber die Industrie? Die Schornsteine sind gefallen. Eine Stadt baut sich selbst zurück. Vierzigtausend Einwohner, das war einmal. Was Hans Scholz – ein deutscher Schriftsteller, Journalist und Maler aus Berlin – noch in den siebziger Jahren sah, ist verschwunden. Das Hotel »Textil« am Bahnhof. Die volkseigenen Betriebe »Forster Tuchfabriken«, »Tuchexport, Werk IV«, »Streichgarngewebe Forst«. Ich finde keine Spur mehr davon.

Dafür händigt man mir in der Bäckerei Dreißig ungefragt eine Kaffeekarte aus. Ich bekam auch einen Stempel für meinen Verzehr, als wollte ich nun jeden Tag durch die Ladentüre treten. Im Zwitscherton fragte die Fachverkäuferin, ob es auch etwas zum Mitnehmen sein darf. Ich musste verneinen. Ich bin erst wieder hier wenn, die Rosen blühen. Wenn sie es denn tun.

Vor der Abfahrt fotografierte ich hinter dem Bahnhof einige Gebäude, die wohl für den Abriss bestimmt sind. Die Birken haben das Hofpflaster an einigen Stellen aufgesprengt. Auch aus den zerschlagenenen Fensterscheiben schauen die Zweige. Rost und Verfall sind durchaus von einer gewissen Ästhetik. Aber das hat auch etwas sehr Melancholisches.

Gut zu wissen

Der Namenszusatz »Rosenstadt« rührt vom »Ostdeutschen Rosengarten«, der direkt am Oder-Neiße-Radweg liegt. Er wurde 1913 eröffnet.Über 900 Rosensorten sollen sich auf den 17 Hektar Parkland befinden: www.rosengarten-forst.de. Besonders interessant vor dem Hintergrund der Stadtentwicklung ist das Textilmuseum: www.forst-lausitz.de. Anreise: Bahnhof Forst (Regionalbahn).

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Forst in der Lausitz 51.734800, 14.658400 Wehrinselstraße 42, 03149 Forst/Lausitz Brandenburg, Deutschland (Routenplaner)