Letzter Ausflugstag mit den Freunden aus der Steiermark. Was wollt ihr sehen? Diesen Wald mit den Kanälen, wo es immer Gurken gibt. Ah, den Spreewald. Zwei Stunden später steigen wir am Fährhafen Lübbenau in einen Kahn. Es wackelt und dauert, bis alle sitzen. Jeder bekommt eine Schale mit Gurken. Im hinteren Teil des Kahns steht ein Korb voller Getränke. Die Tour führt bis zum Dorf Lehde und zurück. In Lehde befindet sich auch ein Freilandmuseum.

Langsam geht es los. Wir entfernen uns vom hektischen Hafen. Eine Spannung wie beim Schulausflug. Nur dass der Lehrer den Kahn stakt und hinter uns steht, während wir zu seinen Füßen sitzen und nach vorne schauen. Eine Reihe Kähne vor und hinter uns, ein Fotostopp und plötzlich sind wir allein unterwegs. Unser Fährmann heißt Erwin und erzählt richtig spannend. Wir lauschen und erfahren, dass das Binnendelta der Spree ein Biosphärenreservat ist, dort, wo sich der Fluss in etwa 300 Fließe teilt. Eine einzigartige Kulturlandschaft.

Äcker und Wiesen liegen auf Anhöhen hinter dem Ufer. Lange Äste der Erlen hängen ins Wasser. Hier bauen Spreewälder Bauern von alters her Zwiebeln, Kohl, Kohlrüben, Gurken und Meerrettich an. Was ist das? Ein Wurzelgemüse, das gerieben wird und richtig würzig-scharf schmeckt. Also »Kren«, meinen die Steirer. Alle lachen, die ersten nehmen jetzt ein Bier. Schon im 18. Jahrhundert belieferten die Bauern Berlin. Als die Stadt im 19. Jahrhundert dann immer größer wurde, spezialisierten sich viele auf Gurken. Sauer oder salzig eingelegt — bis heute beliebt. Mit flachen Booten aus Eichen- oder Pappelholz lieferten sie auch Korbwaren und Heu. Trotzdem blieben die Menschen, von denen viele an ihrer sorbischen Identität festhielten, arm. Junge Frauen gingen als Ammen und Kindermädchen nach Berlin. Durch ihre Tracht mit der großen Haube sind sie auf vielen alten Fotos leicht zu erkennen.

Schöne Blockhäuser tauchen auf, manche mit Giebelschmuck, daneben Schuppen, hier und da Blumenkästen und hölzerne Fischkästen. Fast vor jedem Gehöft liegt ein Kahn, oft nahezu gänzlich unter Wasser. Damit sie nicht austrocknen, erklärt unser Gondoliere mit tiefer Stimme. Mit der Hand ziehe ich eine kleine Furche durch das Wasser. Es kühlt herrlich. Am liebsten würde ich meine Füße raushängen. Dutzende Fließe münden in den von uns befahrenen Hauptstrom. Dann biegen wir ab. Hier ist es ganz still und einsam. Der Kahn schaukelt sanft und mir fallen die Augen zu.

Gut zu wissen

Anreise nach Lübbenau mit dem Regionalexpress oder der Regionalbahn. Informationen zu Kahnfahrten in Lübbenau findest du auf der Webseite der Kahnfährge­nossenschaft: www.grosser-kahnhafen.de

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Spreewald klassisch 51.867283, 13.975832 Dammstraße, Lübbenau, Deutschland (Routenplaner)

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