Meine Erkundungstour mit der neuen Oderbus-Linie führt mich heute nach Neulietzegöricke. Ich weiß, dass das älteste Kolonistendorf Brandenburgs im Ganzen unter Denkmalschutz steht – vielversprechend.

Vom Bus aus macht der langgezogene Ort allerdings zunächst nicht den Eindruck, als gäbe es hier viel zu sehen oder zu erleben. Dann aber nähert sich der Bus dem »Zentrum«, ich steige aus und stehe mitten in einem kleinen Paradies: Die beiden Hauptstraßenspuren werden getrennt durch einen breiten flachen Graben. Er wurde bei der Gründung des Dorfes im 18. Jahrhundert angelegt, damit das Wasser bei einer Überflutung abfließen konnte. Heute zieren ihn gepflegter Rasen, Trauerweiden und ein Holzwagen mit Blumen in voller Pracht. Links und rechts der Straße stehen niedrige Fachwerkhäuser, wie man sie selten in Brandenburg sieht. Einige sind wunderschön hergerichtet, andere stehen kurz vor dem Verfall.

Auf der Höhe des Grabens befindet sich zentral im Dorf das alte Schulhaus, vor dem heute Tische und Schirme stehen. Mein Magen ist immer ein zuverlässiger Reisebegleiter, also gehe ich in das gemütlich eingerichtete »Kolonisten Kaffee« und suche mir einen von drei unterschiedlichen selbstgebackenen Käsekuchen aus. An den Wänden ist eine große Sammlung Kannen ausgestellt. Während ich draußen hungrig meinen Kuchen verschlinge und noch überlege, einen zweiten auszuprobieren, sehe ich gegenüber mein Traumhaus. Kein Fachwerk, sondern klassizistisch in weiß und gelb, der Putz blättert ab, an der verlassenen Tür hängt ein Kranz aus Stroh. Als ich später vor dem Eingang stehe, schnappe ich auf, dass das charmante Gemäuer für über eine Million verkauft werden soll.

Seufzend schaue ich mich um und entdecke eine kleine Kirche, ebenfalls im klassizistischen Stil, gleich hinter dem Schulhaus. Ich habe Glück, die Tür steht offen. Man sieht gleich, dass dieses Kleinod liebevoll restauriert wurde. Das helle Holz wurde dezent in Gold- und Blautönen bemalt. Ein illustrer Bewohner des Dorfes ist hier ehrenamtlich als Kirchenführer tätig und plaudert lange mit uns über die Geschichte des Ortes. Zum Schluss schickt er uns in die erste Etage – da klafft ein großes Loch in einem Eckpfosten. Hier ging im Zweiten Weltkrieg eine Granate durch. Das Loch hat man zur Erinnerung bei der Restaurierung extra so belassen.

Schnell flitze ich nochmal rüber ins Kaffee, lasse mir zwei Stücke Käsekuchen einpacken – und schon kommt der Oderbus.

Gut zu wissen

Kolonistendorf Neulietzegöricke, Kolonisten Kaffee, Neulietzegöricke 78, 16259 Neulewin OT Neulietzegöricke, www.kolonisten-kaffee.de. Öffnungszeiten: Ab Sommeranfang, Mi. – So. 13 bis 18 Uhr; Ab Oktober: Fr. – So. 13 bis 18 Uhr. Ab 17 Uhr öffnet die Raucherkneipe »Zum Feuchten Willi«, die Dorfkirche ist in den Sommermonaten am Wochenende geöffnet. Anreise: Haltestelle Neulietzegöricke, Oderbus (Linie 879).

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Bad Freienwalde Tourismus GmbH

Karte wird geladen - bitte warten...

Käsekuchen in historischer Kulisse – Rund um das Kolonisten Kaffee in Neulietzegöricke 52.762300, 14.238400 Neulietzegöricke 78, 16259 Neulewin OT Neulietzegöricke (Routenplaner)