von Gastautor Christian Göritz

Christian Göritz begleitete die Nachwendezeit in Altes Lager unter anderem als hauptamtlicher Bürgermeister, seine Familie ist dort seit drei Generationen verwurzelt:

Es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man Teile seines Heimatortes erst nach Jahrzehnten zum ersten Mal betreten kann. Zu DDR-Zeiten war hier alles sowjetisches Sperrgebiet. Natürlich sind wir als Kinder schon mal heimlich auf dem Militärflugplatz herumgestromert, doch wie es bei unseren »Befreiern« hinter den hohen Mauern wirklich zuging, blieb den zivilen Bewohnern von Altes Lager weitestgehend verborgen.

Mit dem Abzug der Russen begannen die Herausforderungen der Konversion, also der Überführung der militärischen Gebäude und Flächen in die zivile Nutzung. Vieles war in einem wirklich desolaten Zustand. Um dem weiteren Verfall Einhalt zu gebieten bemühte man sich, möglichst viele Liegenschaften schnell zu verkaufen. Der Plan ging auf, in Altes Lager konnte das erste vormals militärische Gebäude in ganz Brandenburg als Wohnhaus saniert und bezogen werden. Zur Belebung des Ortes in den Nachwendejahren trugen auch die mehr als 800 Spätaussiedler bei, die nach Altes Lager kamen. Viele zogen auf der Suche nach Arbeit bald weiter, mit denen die blieben entwickelte sich ein gutes Zusammenleben.

Das von den Nazis erbaute Offizierskasino, zu DDR-Zeiten hieß es Haus der Offiziere, ist heute das Kulturzentrum DAS HAUS. Seine Geschichte ist eng mit den Akteuren des theater 89 verbunden, die in den 1990er Jahren auf der Suche nach einer ganz besonderen Spielstätte nach Altes Lager kamen. Gemeinsam mit vielen Engagierten gelang es, im ehemaligen Sperrgebiet ein reges kulturelles Leben zu etablieren.

Es war wirklich eine aufregende Zeit damals. Das persönliche Archiv mit Zeitungsartikeln, Bildern, Briefen und Postkarten wuchs nicht nur bei mir. Aus dem gemeinsamen Interesse für unseren Ort und seine Geschichte entstand eine »AG Zeitgeschichte« und daraus wiederum eine Dauerausstellung, die heute im HAUS zu sehen ist. Zur Eröffnung im Jahr 2003 kam auch ein einst hier stationierter russischer Pilot. Der hat nicht schlecht gestaunt, wie sehr sich der einstige Militärort gewandelt hat.

Gut zu wissen

Luther PassDauerausstellung zur Geschichte von Altes Lager im Kulturzentrum DAS HAUS, Kastanienallee 21, 14913 Niedergörsdorf OT Altes Lager, www.dashaus-alteslager.de, Tel. +49 (0) 33741 713 04, Öffnungszeiten der Ausstellung: Di. – Fr. 10 bis 14 Uhr und nach Vereinbarung. Im HAUS befindet sich auch die Touristinfo und es werden Zimmer vermietet. Anreise: Bahnhof Altes Lager (Regionalbahn), Fußweg 10 Min.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Luther Pass. Jüterbog ist einer von acht Luther Pass-Stempelorten.

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Vom militärischen Sperrgebiet zum Kulturort – Konversion in Altes Lager 52.007657, 12.993329 Kastanienallee 21, 14913 Niedergörsdorf OT Altes Lager (Routenplaner)

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