Theodor Fontane ­— überall in der Stadt, überlebensgroß, vielfarbig. Ob sich der alte Dichter so gefallen hätte? Diese Aufmachung holt den viel geehrten Sohn der Stadt, wie altmodische Floskeln versichern, ins zeitgenössische Neuruppin: Fontane-Festspiele. Literatur, Theater, Musik und viele, viele Menschen. Endlich. Meist tummeln die sich aber am Seeufer, in der Nähe der alten Klosterkirche, wo auch die Bühne steht. Pittoresk! Romantisch! In der Siechenstraße könnte sofort ein Mittelalter-Film gedreht werden.

Wenige Schritte entfernt, wechselt die Kulisse abrupt: Es präsentiert sich eine preußische Musterstadt, ehemals Garnison. Doch die nach dem großen Stadtbrand von 1787 neu angelegte Stadt bleibt rätselhaft wie bei jedem Besuch. Große, quadratische Plätze zum Exerzieren angelegt. Wie eine Jacke, die zu weit geschnitten ist, hat es mal ein kluger Beobachter formuliert. Das war einmal modern und entsprach den Ideen des Aufklärungszeitalters: Licht und Luft anstatt mittelalterlicher Enge und Schmutz in überfüllten Straßen. Die Denkmalpfleger würdigen diese Leistung als bedeutende Schöpfung des historischen Städtebaus.

Aber wie füllt man so viele Plätze und breite Straßen? Wer lebt hier, wo Berlin nicht weit ist und mindestens genauso schöne Uferpromenaden offeriert? Architektonisch ist der Spaziergang tatsächlich interessant, was fehlt, ist Atmosphäre. Einsam steht der recht jugendlich erscheinende Architekt Karl Friedrich Schinkel auf dem Platz hinter dem Neubau der Marienkirche, wobei auch er ein geborener Neuruppiner ist. Den nächstfolgenden Platz vor dem Alten Gymnasium belebt an Markttagen mehr Trubel. Doch bereits am späten Nachmittag wird es einsam um das Denkmal des Preußenkönigs Wilhelm II., den Förderer des Wiederaufbaus. Der dritte große Platz vermittelt regelrecht urbane Tristesse angesichts der gähnenden Leere. Am einstigen Stadtrand noch ein Höhepunkt: Das Fontane-Denkmal von 1907. Elegant sitzt der Genannte, ein Bein über das andere geschlagen, im Schatten großer Bäume. Irgendwie im Abseits. War den bürgerlichen Honoratioren dieser Schriftsteller nicht pompös genug oder wollten sie die Weite der Stadtlandschaften nicht überfrachten? Rhetorische Überlegungen. Die Zeitgeschichte ist einfach über die ehemals markante Position im Städtebild hinweg gegangen. Jetzt residiert Fontane am See und die Fontane-Festspiele finden alle zwei Jahre statt.

Gut zu wissen

Anreise mit dem Regionalexpress bis Bahnhof Neuruppin Rheinsberger Tor (Zentrum, Busstation). Informationen zur Stadt unter www.neuruppin.de. Die Fontane-Festspiele finden alle zwei Jahre (gerade Jahrgänge) statt, www.fontane-festspiele.com

Karte wird geladen - bitte warten...

Neuruppin. Zwischen Schinkel und Fontane 52.915455, 12.799078 Neuruppin, Deutschland (Routenplaner)

Pin It on Pinterest

Share This