Nach meinen ersten Touren in die Region rund um die Oderbruch auf der polnischen Seite der Oder habe ich einen tieferen Blick in die Geschichte geworfen. Für mich komplett neu: Die im Mittelalter sogenannte Neumark war wildes unerschlossenes Gebiet. Schwerttragende Orden wurden dort postiert, um die Gegend zu sichern und eine erste Besiedlungen aufzubauen. Schwert und Orden – wie verträgt sich das denn? Das war ganz einfach politisches Kalkül: Wer sich mit denen anlegte, riskierte einen gewaltsamen Konflikt und verscherzte es sich gleichzeitig mit dem Papst in Rom. So etwas musste man sich gut überlegen.

Die Region »Lebuser Land« ist eng mit der Geschichte der Ritterorden im Mittelalter verbunden. Insbesondere die »Templer« und der nach ihrem Vorbild gegründete »Deutsche Orden« spielten in den osteuropäischen Gebieten eine besondere Rolle. Gebiete, als Schenkungen an die Orden übertragen, wurden von diesen wirtschaftlich nutzbar gemacht und dienten damit der Befriedung der Grenzregionen der damaligen Reiche.

Chwarszczany (Quartschen), ungefähr acht Kilometer von Namyslin (Neumühl) entfernt, bildete den Mittelpunkt der Templer in der Region. Die aus Granit und Backstein errichtete Ordenskapelle ist ein herausragendes Beispiel frühgotischer Baukunst und findet sich in der Liste der 100 bedeutendsten Bauwerke Polens. Sie wurde im Jahr 1280 eingeweiht. Umfassende Grabungen in der Ansiedlung und an den Grundmauern der Kirche haben gezeigt, dass die Besiedlung dieses Ortes schon 500 v. Chr. durch Stämme der Lausitzer Kultur erfolgte, die das Rasenerz zu Werkzeugen verarbeiteten. Ab ca. 100 n. Chr. war das Gebiet jedoch wieder unbesiedelt und wurde erst von den Templern wieder eingenommen.

Anfang des 14. Jahrhunderts fiel der Orden jedoch bei König Philipp dem IV. von Frankreich in Ungnade – wahrscheinlich waren ihm die Templer zu einflussreich geworden. Oder es war schlicht der erhöhte »Finanzierungsbedarf« des Königs, der ihn veranlasste, nach neuen Geldquellen zu suchen. 1307 wurde der Orden wegen Ketzerei angeklagt und 1314 die letzten Templer auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Güter des Ordens wurden an den Johanniterorden weitergegeben, die unter anderem in Słonsk (Sonnenburg) ein neues regionales Zentrum aufbauten. Für die Unterbringung der Templer in den Gefängnissen wurde den Johannitern dann eine saftige Rechnung durch den König präsentiert, die sie aus dem Templernachlass bezahlten.

Gut zu wissen

Ein kurzer Abstecher vom Oder-Neiße-Radweg auf der Alternativstrecke von Kostrzyn (Küstrin) nach Hohenwutzen: Die Strecke von Namyslin nach Chwarczszany und zurück ist ca. 15 Kilometer lang. Abzweigung ab Namyslin auf ruhigen Landstraßen. Überall im Dorf verteilt findet man Relikte der ehemaligen Komturei der Templer. Gegenüber der Kirche gibt es in einer renovierten Scheune auch ein Restaurant.

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Chwarszczany – auf den Spuren der Templer 52.686300, 14.642000 Quartschen województwo zachodniopomorskie, Polen (Routenplaner)