In der Luft so etwas wie Schnee, der Gehweg wird schmaler, hört dann auf. Ich gehe weiter auf einer Pflasterstraße. Der Panzer sowjetischer Bauart begrüßt mich grün gestrichen und mit himmelwärts gestrecktem Rohr. Dann die Müttergruppe, Fritz Cremer hat sie gemacht. Hinter dem Zaun zwei wütende Hunde, was komme ich hier auch vorbei.

Der Wald ist licht und struppig, das Seeufer nicht weit entfernt. Die andere Seite des Schwedtsees, drüben die Kirche von Fürstenberg. Der Wind wird ungeduldig. Häuser und Häuserblocks, die meisten sind verlassen. Dann die Stätte, das Gelände, die Anlage. Ein Polizeiauto steht vor dem Besucherzentrum. Die Angestellte geht vorbei, das Sitzkissen unterm Arm. Ich bleibe allein, der Eintritt ist frei, ich bin es nicht.

Stehe vor der ehemaligen Kommandantur, alles hier geschah ehemals. Jetzt hat der Wind das Kommando und die Wände sprechen. Anna Seghers flüstert. Im Krematorium sehen die Blumen aus wie gerade abgelegt. Im Wachhaus lese ich die Namen. Und gehe dann über den Platz, der ist mit Schlacke bedeckt. Die kahlen Bäume sind stumm angetreten. Das Licht das Mittags schafft es kaum bis hier herunter.

Dann, an einem anderen Tag, in einem schöneren Monat zitiert jemand den Satz von Gottfried Benn: »Wann im Sommer war …« Die Teichrosen blühen am Schwedtsee, weiß und gelb. Ein Polizeiboot dreht seine Runde im Hafen. Es ist bezeichnet mit WSP 27. Am andern Ufer des Sees erkennt man die Mauern von Ravensbrück.

Gut zu wissen

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück, Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten, Straße der Nationen, 16798 Fürstenberg/Havel, Tel. +49 (0)33093 6080, www.ravensbrueck.de. Anreise mit dem Regionalexpress nach Fürstenberg/Havel. Vom Bahnhof sind es ca. 25 Min. zu Fuß bis zur Gedenkstätte.

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Ravensbrück, Mahn- und Gedenkstätte 53.190029, 13.169131 Mahn- u. Gedenkstätte Ravensbrück, Straße der Nationen, 16798, Fürstenberg/Havel, Deutschland (Routenplaner)

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