Anette Engel ist Vorsitzende des Vereins zur Förderung des historischen Weinbaus in Schlieben e.V.:

Die Schliebener Kellerstraße atmet Vergangenheit. Mehr als 500 Jahre ist es her, dass im Hohlweg des Martinsberges erstmals ein gemauerter Keller zur Lagerung von Getreide und Feldfrüchten angelegt wurde. Zuvor hatten die Bauern bereits einfache Gruben im Löß als Vorratsspeicher genutzt. Die übers Jahr konstante Temperatur von 10-12 °C im Boden machte in den warmen Monaten aus ihnen einen natürlichen Kühlschrank und schütze so die Ernte – und den Wein – im Winter auch vor Frost.

Darüber, wann der Weinbau im südlichen Brandenburg Einzug hielt, legt sich das Schweigen der Geschichte. Bekannt ist nur, dass die Mönche aus dem nahen Zisterzienserkloster Dobrilugk (heute Doberlug) sowie Siedler die aus Süddeutschland in unsere Region kamen und den Wein aus ihrer alten Heimat mitbrachten, entscheidend bei der Einführung des Weinbaus mitgewirkt haben. Dies geschah eine gute Weile vor der kleinen Eiszeit im 16. Jahrhundert war. Bis zu 40ha Rebland, das entspricht 56 Fußballfeldern, gab es der Überlieferung nach einst in Schlieben. Mit dem Ersten Weltkrieg verschwanden dann die letzten Überreste der einstigen Reblandschaft.

Erst Anfang der 1990er Jahre wurde die Jahrhunderte alte Weinbautradition in Schlieben wiederbelebt. Seitdem kümmert sich eine Gruppe von etwa 80 Ehrenamtlichen um die Pflege der Reben am Süd- und Südosthang des Langen Berges. In unseren kühlen Breiten, ist das alles andere als eine leichte Aufgabe – strenge Winterfröste haben uns schon so manchen Rückschlag beschert. Aber wir sind eine gute Gemeinschaft und die Vereinsmitglieder teilen die Arbeit fair unter sich auf, so dass die Freude am Engagement für unsere Schliebener Tradition nie verloren geht. Alle Mühe ist spätestens dann vergessen, wenn man bei einem Glas Wein unter der Pergola vom Weinberg herab in die Landschaft schaut.

Zum Johannisfest verdingten die Bauern der Umgebung traditionell ihre neuen Knechte und Moien, ihre Mägde. Sie stellten sie also an. Diese mehr als 400 Jahre alte Tradition ist mit der Renaissance des Weinbaus in Schlieben heute Anlass zum »Moienmarkt«. Anfang Juli und beim Kellerstraßenfest am 3. Oktober sind die Weinkeller geöffnet. Man kann hineingehen, ein Glas Wein probieren und sich vorstellen, wie die Bauern hier früher ihren guten Tropfen lagerten und zuweilen auch selbst genossen.

Gut zu wissen

Luther PassWeinberg, Langer Berg 4, 04936 Schlieben, www.weinbau-schlieben.de. Von der Kellerstraße zum Weinberg führt ein beschilderter Spazierweg. Der Weinbauverein bietet Verkostungen an. Anreise: Haltestelle Schlieben Feuerwehr, Bus Linie 522.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit dem Luther Pass. Bad Liebenwerda ist einer von acht Luther Pass-Stempelorten.

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Wo regionale Geschichte auflebt – Weinbau und »Kellerstraße« in Schlieben 51.719300, 13.388200 Langer Berg 4 Brandenburg, Deutschland (Routenplaner)

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