Wandern im Winter ist irgendwie Geschmacksache. Ich wünsche mir dann doch, dass zumindest die ersten Schneeglöckchen oder Winterlinge hervorschauen. Im Februar stand ich in Cottbus — und weit und breit keine Frühlingsblumen zu sehen. Trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, wartete eine ganz besondere Wanderung auf mich: Seit ich am Oder-Neiße-Radweg in Bad Muskau durch die wunderbaren Pückler-Parks gefahren bin, wollte ich auch Schloss Branitz sehen.

Nachdem Fürst Pückler komplett bankrott war und sogar seine Ehe — auf Anraten seiner Frau — dran gegeben hatte, um den Park in Bad Muskau zu retten, ließ er sich mit seinem restlichen Geld in Branitz ein bescheideneres Schloss bauen. Hier wiederum hat er, trotz Geldnot, einen beeindruckenden Park anlegen lassen. Das Areal kannst du bei einer zehn Kilometer langen Wanderung durch verschneite Flussauen und Alleen besichtigen. Vom Cottbuser Hauptbahnhof kommend, läufst du zuerst entlang sozialistisch anmutender Wohnblocks. Sobald du aber an der Spree angekommen bist, biegst du ein in den Winterwald mitten in der Stadt. Auch der Europäische Fernwanderweg E10 führt hier entlang.

Erste Vorboten der Gartenkunst, die ich durch die Bäume sehe, sind schneebedeckte Pyramiden. Die hat Fürst Pückler über den Park verteilt und damit wieder einmal Blickfänge gesetzt, die ihresgleichen suchen. Bald öffnet sich der Blick auf weite, je nach Jahreszeit verschneite, Parkflächen. Ganz neue Blickachsen tun sich auf, um eine Ecke erscheint auf einmal das Schloss, das zuvor noch von einer Baumgruppe verstellt war. Und wenn ich mich umdrehe, habe ich plötzlich eine ganz neue Landschaft vor mir liegen. Ganz anders als die, aus der ich gerade gekommen bin. Wie dem Fürst das nur immer wieder gelungen ist? Schloss Branitz ist wirklich nur ein »Schlösschen« — trotzdem muss Fürst Pückler noch ziemlich viel Geld in der Portokasse gehabt haben, um sich das zu leisten.

Nur der Traktor der Parkpfleger ist zu hören und das leise Schnattern der Enten im halb zugefrorenen Teich am Schloss. Über geschwungene Wege und durch lichte Waldstückchen am Nordende des Parks erreiche ich die Haltestelle der Parkeisenbahn, die im Winter verlassen daliegt. Also doch zu Fuß die zwei Kilometer zurück in die Altstadt von Cottbus. Irgendwie melancholisch das alles, aber auch besinnlich.

Gut zu wissen

Park und Schloss Branitz (Besucherzentrum), Robinienweg 5, 03042 Cottbus, www.pueckler-museum.de. Cottbus ist ein regionaler Verkehrsknotenpunkt mit Bahnverbindungen nach Berlin, Frankfurt (Oder), Dresden und Leipzig. Vom Bahnhof sind es ca. 2 km (über den Stadtring) bis zum nördlichen Parkeingang. Die ganze Tour ist 11 km lang.

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Winterwanderung im Schlosspark Branitz 51.750733, 14.346943 Branitzer Park, Cottbus, Deutschland (Routenplaner)