Theodor Fontane

Theodor Fontane

Natürlich wäre der Apotheker und Schriftsteller auch heute ein perfekter Scout für Brandenburg. Aber er hat unsere ScottyScout-Idee, lokale Autoren über ihre Heimat berichten zu lassen, schon im 19. Jahrhundert verwirklicht und seine »Wanderungen durch die Mark Brandenburg« geschrieben. Das Buch enthält bekanntermaßen Beschreibungen bemerkenswerter Orte. Wir haben uns auf die Spuren seiner Landtouren begeben und diese Schauplätze noch einmal besucht. Wie sich denken lässt, sind unsere Eindrücke heute andere, was Kultur und Menschen angeht. Seine Naturbeschreibungen aber, sind glücklicherweise nach wie vor gültig.

Das nachfolgende fiktive Interview entstand frei nach der Einleitung zu den »Wanderungen durch die Mark Brandenburg«, erschienen im insel taschenbuchverlag, 1989 (1. Auflage). Die Beiträge von Theodor Fontane sind der besseren Lesbarkeit halber aus einzelnen Textstücken zusammen gesetzt, unsere Anmerkungen in seinen Texten haben wir kursiv markiert.

Theodor, was hat dich bewogen, bei ScottyScout mitzuarbeiten?

Ich war länger im englischsprachigen Ausland unterwegs. Da ist mir aufgefallen, dass es zum Beispiel in Schottland durchaus sehr ähnliche Gegenden gibt wie hier in der Mark Brandenburg. Ich dachte, das will ich mir doch mal genauer anschauen. Irgendwie ist die Sache dann aus dem Ruder gelaufen, hat mich nicht mehr losgelassen. Ich habe hunderte, nein, tausende Seiten von Material gesammelt – und beschrieben. Daraus sind dann die »Wanderungen« entstanden.

Und wie das eben so ist: Die Texte werden im Laufe der Zeit von Hinz und Kunz herangezogen, um gewisse lokale Schönheiten zu unterstreichen. Das ist für mich aber nur die halbe Wahrheit. Einerseits sind die Betrachtungen für mich Studien über lokale Mentalitäten, über Situationen oder Landschaften. Die verarbeite ich weiter in Romanen. Andererseits strebe ich danach, ein unterhaltsames Geschichts- und Geschichtenbuch zu schreiben. Es soll also etwas anderes sein als ein rein beschreibender Reiseführer. Meine Texte sollen Geschichten erzählen und Spaß beim Lesen bringen und neue Perspektiven über eine Landschaft und ihre Leute eröffnen, auch kritische Sichtweisen. Ich glaube, das passt zu ScottyScout.

Hast du keine Bedenken, dass deine Texte durch die Mitarbeit als Scout komplett falsch verstanden werden?

Da die Menschen eh das in Dinge hinein interpretieren, was sie sehen wollen, mache ich mir da jetzt noch keinen Kopf. In meinem Alter muss man damit umgehen können. Ich kann nur noch mal betonen, dass mir eine fundierte (historische) Datengrundlage wichtig ist – aber die Geschichten, die dann daraus entstehen, die sollen unterhalten. Also schauen wir, was passiert.

Stimmt es, dass du dich vor allem für den Adel in Brandenburg interessierst?

Ich gebe zu, dass mich das schon sehr anzieht. In der Vergangenheit vielleicht stärker, bis hin zur Verklärung, als es momentan der Fall ist. Wenn man weit zurück blicken kann, stellt sich manches doch auch anders dar, als es den Anschein hat, wenn man mitten drin steckt. Mich beeindruckt »Gesinnung«. Darunter verstehe ich so etwas wie Selbstdisziplin, Einfachheit oder vornehme Geradlinigkeit.

Allerdings käsen mich die sogenannten Adligen auch zunehmend an. Da findet sich einfach zu viel Borniertheit. Dann suche ich »das Adlige« doch lieber bei der kleinen Frau und dem kleinen Mann. Da werde ich schneller fündig.

Was ist das für ein Gefühl, wenn man von Gutshof zu Schloss gondelt und die Leute besucht?

Nun ja, manchmal komme ich mir schon vor wie irgendein Versicherungsvertreter – früher hätte man Hagelassekuranz-Agent dazu gesagt. Da ist man erst mal verdächtig: »Was will der eigentlich? Da steckt doch gewiss was dahinter? Kunst gibt es hier nicht und um das Bild von Tante Rosalie mit ihrer weißen Tüllhaube kann er doch unmöglich kommen!«

Die Leute hier sind schon sehr argwöhnisch und können es nicht begreifen, dass man ein über äußerlichsten Gewinn und Vorteil hinausgehendes Wollen mitbringt.

Wenn du dir im Netz einen Alias zulegen würdest, welchen Namen würdest du wählen?

Ich gebe die Frage mal zurück: Welchen Namen würde mir die Netzgemeinde vorschlagen?

Nachdenkliches Schweigen

Hm. Wie wäre es mit »Stech Lin«, das hört sich irgendwie asiatisch-fremd an und hat doch was Lokales.

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