Als 1999 schwarz gekleidete Männer mit Schläfenlocken über die Oderbrücke gingen, zwangen sie die beiden Zwillingsstädte, sich zu erinnern. Es waren Rabbiner aus den USA und Israel, sie suchten den jüdischen Friedhof, der in der Frankfurter Dammvorstadt östlich der Oder liegen sollte. Es war Frühling, die Zeit des Todestages von Joseph Meir Theomim, dessen Grab die Männer aufsuchen wollten. Theomim ist unter orthodoxen Juden bekannt, unter anderem für seine Kommentare zu koscheren Speisegesetzen, die er im 18. Jahrhundert in Frankfurt verfasst hatte. Die Rabbiner fanden ein verwildertes Stück Erde im Süden Słubices, auf dem ein Bordell namens »Eden« stand. Im Unterholz konnte man noch Grabsteinfragmente finden.

Seit 1399 ist der Friedhof urkundlich nachgewiesen. Die Zahl erscheint unwirklich im Bild der heutigen Städte. Die Frankfurter Juden hatte die örtliche Gestapo und SS vertrieben oder umbringen lassen. Der Friedhof selbst hatte Krieg und Nazizeit unbeschadet überstanden, in Nachkriegspolen verfiel er, in den 1970er Jahren wurde er zerstört —wie viele Friedhöfe aus deutscher Zeit. Das Bordell wurde abgerissen, das Gelände ist jetzt von einem Zaun umgeben. Von der Straße aus kann man drei wiederhergestellte Grabsteine sehen, darunter den von Theomim.

Gut zu wissen

Nach der Oderbrücke rechts auf den Deich, bis links zur Straße nach Rzepin fahren. Man sieht einen Metallzaun, dahinter erstreckt sich das Friedhofsgelände. Um Grab- und Gedenksteine zu sehen, dem Zaun entlang der Hauptstraße nach Krosno folgen. Audioguide: www.juedischesfrankfurtvirtuell.de.

Literaturhinweis: Eckard Reiß, Magdalena Abraham-Diefenbach (Hrsg.): Makom tov – der gute Ort. Jüdischer Friedhof Frankfurt (Oder) / Słubice, Vergangenheitsverlag, Berlin 2012.

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Słubices und Frankfurts jüdischer Friedhof 52.336900, 14.584600 Powstańców Wielkopolskich 1, Słubice, Polen (Routenplaner)