von Gastautor Markus Herrbruck

Markus Herrbruck ist Pfarrer in der Trinitatiskirche Finsterwalde:

Die Trinitatiskirche versteckt sich ein wenig – aber vom Markt aus ist ihr Turm zu sehen und leitet den Besucher am Rathaus und Topfmarkt vorbei an das Eingangsportal. Im Innern der Kirche empfängt mich Stille. Der geschäftige Alltag und der Lärm scheinen hier fern: Herausgenommensein aus dem Alltag, Ruhe finden, andächtig sein. Oder nur mal schauen. Am besten, man setzt sich erst einmal mit einem »Wegbegleiter«, unserem kleinen Heftchen mit den »Basisinformationen« für interessierte Besucher, in eine der Bänke.

Die Trinitatiskirche ist der erste nachreformatorische Kirchenneubau der Region und folgt in ihrer Gestaltung den reformatorischen Grundsätzen:  EIN Altar, die Kanzel – also das Wort – im Zentrum. Sie ähnelt nicht von ungefähr der von Luther selbst eingeweihten Torgauer Schlosskirche. Als die Finsterwalder ihre Kirche bauten, lag die Einführung der Reformation schon ein halbes Jahrhundert zurück. Einige Bürger waren zu bescheidenem Wohlstand gelangt – so auch ein kinderloser Windmüller namens Frost, der sein Vermögen für die Schließung des Deckengewölbes spendete. Aber vor allem engagierte sich die Herrschaftsfamilie von Dieskau als Patronin beim Umbau und der Ausstattung. Sie stifteten 1594 den Altar und neben Gemälden zur Illustration reformatorischer Glaubensgrundsätze finden sich in der Kirche etliche Wandepitaphien für Angehörige der Herrschaftsfamilie. Dass die Gottesdienste damals manchmal zwei oder mehr Stunden dauerten hat ihre Besucher wohl nicht gestört. Das Gestühl kam erst viel später.

Über schmale Stufen geht es zur Orgelempore hinauf. Hinter dem Orgelprospekt kann man das Orgelinnere betreten und sich die Funktionsweise erklären lassen. An der Turmwand finden sich freigelegte, wenn auch rätselhafte Wandmalereien aus der Entstehungszeit der Kirche, die die Bedeutung der Kirchenmusik symbolisieren.

An der Apsisaußenwand ist ein einmaliges trinitarisches Gemälde wiederhergestellt worden, das den gebräuchlichen Namen „Trinitatiskirche“ erläutert. Der darunter stehende Text mahnt ganz im reformatorischen Sinne: „Gott ist es, den darstellt das Bild, doch beten wir es nicht an. Blicke es an und schaue im Geist, den im Bilde du schaust.“

Jeden Samstagabend und jeden Sonntag gibt es einen Gottesdienst – unsere Kirche zeigt damit ihre eigentliche Bestimmung.

Gut zu wissen

St. Trinitatis, Am Kirchplatz, 03238 Finsterwalde, www.kirche-finsterwalde.de. Ist die Kirche verschlossen gibt es den Schlüssel im Gemeindebüro, Schloßstraße. 5. Informationen zu Kirchenführungen in der Touristinfo und im Rathaus. Anreise: Bahnhof Finsterwalde (Regionalbahn), Fußweg 10 Minuten.

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Das Wort im Zentrum – die Trinitatiskirche Finsterwalde 51.629147, 13.708867 Am Kirchplatz, 03238 Finsterwalde (Routenplaner)

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