Da stehe ich nun. Auf dem Parkplatz des Soldatenfriedhofes Halbe, an einem kalten Novembertag. Ausgerechnet am Totensonntag. Aus Sicherheitsgründen bewachen vier Polizeistreifen das Gelände, eine traurige Folge großangelegter Neonazi-Aufmärsche, die hier seit 1991 immer wieder stattfanden. »Ein passendes Thema für einen Ausflugsführer?«, frage ich mich.

Im Gebiet um Halbe fand Ende April 1945 eine der letzten entscheidenden Schlachten des Zweiten Weltkrieges statt, die schließlich die Niederlage der Deutschen besiegelte. Man spricht vom Kessel von Halbe, da die Rote Armee in diesem Gebiet ca. 200.000 Menschen, darunter vor allem Soldaten der Wehrmacht, aber auch zahlreiche Zivilisten, einkesselte. Diese Schlacht ließ ca. 60.000 Tote auf deutscher Seite und zehntausende Opfer auf russischer Seite zurück.

Heute gedenkt der Ort Halbe dieser Schlacht mit mehreren im Ort aufgestellten Erinnerungstafeln; die meisten stehen direkt neben dem Friedhof und dokumentieren mit Texten und Fotografien die Kesselschlacht und ihre Umstände. In der alten Dorfschule wird die Geschichte in einer Ausstellung aufgearbeitet. Der Waldfriedhof selbst ist ein stiller Ort am Rande des Dorfes. Hier sind auf sieben Hektar über 22.000 Kriegstote in Einzel- und Massengräbern begraben. Die Grabsteine sind als Granitplatten in langen Reihen in das Moos eingelassen. Es macht mich traurig zu sehen, dass viele von ihnen die Aufschrift »unbekannt« tragen. Die schiere Anzahl von Toten aus den letzten Tagen des Krieges ist unvorstellbar.

Recht zentral steht ein großes steinernes Denkmal mit der Aufschrift »Die Toten mahnen für den Frieden zu leben«. Vor dem Denkmal liegen zahlreiche Blumenkränze. Obwohl ich niemanden kenne, der auf diesem Friedhof begraben liegt, rühren mich diese Worte sehr und wühlen mich auf. Denn ihre Aussage ist zeitlos und lässt die zahlreichen Tode, mit denen wir tagtäglich in den Nachrichten konfrontiert werden, umso sinnloser erscheinen. Allein diese doch so aktuelle Mahnung aus der Vergangenheit lässt mich meine anfängliche Frage mit »ja« beantworten, und ich finde, dass auch die Erinnerung an diesen dunkelsten Teil unserer jüngsten Geschichte zu Brandenburg gehört.

Gut zu wissen

Waldfriedhof Halbe, Am Friedhof, 15757 Halbe, Öffnungszeiten: Täglich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Einen Audioguide, der über das Gelände führt, gibt es auf www.volksbund.de/mediathek/audioguide-halbe. Anreise: Von Berlin-Hauptbahnhof mit der RB nach Halbe, dann zu Fuß weiter.

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Der Waldfriedhof Halbe erinnert an die Schrecken des Zweiten Weltkrieges 52.103276, 13.694887 Halbe, Deutschland (Routenplaner)