Wo ist nur dieser Rosengarten? Wenn Fontane den kannte, dann muss er doch irgendwo hier sein! Energisch stapfe ich um die Reha-Klinik am Rand von Bad Freienwalde herum.

Theodor Fontane hat mich zu der Wanderung vom Rosengarten zum Baa-See inspiriert. Der Rosengarten ist aber in keiner Karte eingezeichnet. Laut Fontane handelt es sich um einen alten Friedhof für die Kurgäste. Ich folge ein Stück dem Brunnenweg in den Wald hinter der Klinik. Bald kommt ein Abzweig, der Wegweiser mit dem grünen Punkt sagt: 5,7 Kilometer bis zum Baa-See. Das muss richtig sein! Vorher gehe ich aber noch ein paar Schritte den zweiten Pfad entlang, denn dort habe ich einen großen Stein erspäht. Aha! »Rosengarten. Ehemaliger Brunnenkirchhof« ist dort eingemeißelt.

Ich hole meinen Taschen-Fontane heraus und rufe mir die Geschichte dieses Ortes in Erinnerung: »[…] Die weiten Waldreviere […] waren in alten Zeiten schon mit weiß und rot und gelb blühenden Wildrosen dicht überwuchert […]. Die Stelle aber, wo die Rosensträucher am dichtesten standen und einen kleinen Wald im Walde bildeten, […] hieß der Rosengarten. Die Sträucher verschwanden allmählich […] – aber der Name blieb, und von den Gestorbenen heißt es sinnig und ungezwungen: Sie schlafen im Rosengarten.« An den Friedhof erinnert heute nur noch der Stein im Bergwald.

Meine Wanderung kann nun beginnen. Immer geradeaus führt mich der breite Weg mit dem grünen Punkt durch das dicht bewaldete Brunnental. Die Umgebung wird immer bergiger, bald taucht vor mir ein düsterer Fichtenwald auf. Abgelöst wird dieser dunkelgrüne Hain von einem kleinen Moor. Die trübe Oberfläche des morastigen Wassers, abgebrochene Birkenstämme und der einsame Ruf einer Krähe gruseln mich angenehm. Schon sehe ich vor mir den Baa-See aufblitzen. Er mutet ein bisschen an wie ein Krater, der von steilen bewaldeten Hängen und Schluchten umgeben ist.

Ob ich ohne die Wegmarkierung jemals hierher gefunden hätte? Fontane jedenfalls hat sich bei der Suche nach dem See heillos verlaufen. Vielleicht rührt daher auch sein eher nüchternes Urteil: »… zu finster […], um zu erheitern, und doch wieder zu heiter, um den vollen Eindruck des Schauerlichen zu machen.« Heute ist ein kalter Februartag, der fahles Licht auf die stille Spiegelfläche des Sees wirft. Die Krähe ruft erneut vom Moor herüber. Mein Fazit, Herr Fontane: Schaurig-schön!

Gut zu wissen

Die ca. 8 km lange Rundwanderung ist Teil des Märkischen Bergwanderparks und führt vom Rosengarten hinter dem Kurpark in Bad Freienwalde über den Brunnentalweg zum Baa-See und zurück über den Siebenhügelweg. Kennzeichnung: Grüner Punkt. Am Baa-See befindet sich eine Waldschenke.

Anreise: Bahnhof Bad Freienwalde, Regionalbahn (Linie NEB 60). Die speziell für Wanderer und Radfahrer konzipierte Oderbus-Linie fährt von April bis Oktober von Bad Freienwalde nach Wriezen und zurück. Der Oderbus bringt dich bis an den Fluss, zum Oder-Neiße-Radweg und zu den sehenswerten Orten der Region.

Dieser Beitrag entstand in Kooperation mit der Bad Freienwalde Tourismus GmbH

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Verschwundene Gräber und ein versteckter See – Wanderung mit Fontane vom Rosengarten zum Baa-See 52.765592, 14.016409 Bad Freienwalde (Oder) Brandenburg, Deutschland (Routenplaner)