Altmarkt, Hausnummer 25 im Mai. Uns passieren Touristengruppen auf dem Weg zum Schloss und Dresdner mit Einkaufstaschen. Viele kommen aus der »Altmarkt-Galerie«, dem Einkaufszentrum hinter dem Eckgebäude. Ich stehe mit einem Bekannten vor dem Kulturpalast gegenüber. Den Betonklotz im Rücken schauen wir in Richtung Altmarkt. Mein Begleiter fragt: »Weißt du, was an Stelle des Eckhauses dort einmal stand?« Er weiß die Antwort: Das alte Rathaus.

1740 erbaut war das »Altstädter Rathaus« der historische Sitz des Dresdner Rates. Erst 1910 zog die Stadtverwaltung in das wesentlich größere Neue Rathaus um. Der alte Ratssitz wurde im 2. Weltkrieg schwer beschädigt und seine letzten Überreste im Verlauf der sozialistischen Umgestaltung des Altmarktes abgetragen.

Am 3. Mai 1849 begann hier der Aufstand des Bürgertums gegen den König. Sachsens Monarch lehnte die Verfassung der Frankfurter Nationalversammlung von 1848 ab und versuchte, bereits eingeräumte Zugeständnisse an die Bürgerlichen rückgängig zu machen. So kam es zum revolutionären Maiaufstand. Das Waffenarsenal im Zeughaus wurde gestürmt und der Landtag besetzt. Der König und seine Minister flohen in die Festung Königstein. Sachsen war ohne Führung und dort, wo heute Mode und sächsische Schokolade verkauft wird, saß für ein paar Tage die provisorische Regierung.

Einer der Anführer des Aufstandes war der russische Revolutionär Michail Bakunin. Dieser war mit Richard Wagner befreundet und der wiederum mit Gottfried Semper (dem Baumeister). Dresden war noch ein »Dorf« und die beiden Letztgenannten hegten Sympathien für die Bürgerlichen. Doch die Revolution währte nicht lange. Bereits am 9. Mai 1849 wurde der Aufstand blutig niedergeschlagen, der Russe Bakunin und die führenden sächsischen Aufständler nach kurzer Flucht gefangen genommen. Preußen war den sächsischen Truppen, nicht ganz uneigennützig, zur Hilfe geeilt.

140 Jahre später demonstrierten die Dresdner wieder am Altmarkt gegen ihre Regierung. Diesmal gewaltlos – und mit Erfolg. Und auch 1989 war einer der »Rädelsführer« ein Russe. Michail Gorbatschow ermutigte mit seiner Politik viele Menschen zum Aufstand. Angesichts von so viel Revolution und Geschichte wirken die Sportschuhe und Flachbildfernseher in der heutigen »Altmarkt-Galerie« irgendwie belanglos.

Gut zu wissen

Altmarkt-Galerie, Altmarkt 25, 01067 Dresden. Drei Bronzetafeln erinnern an wichtige Orte des Dresdner Maiaufstandes von 1849: Das Alte Rathaus als Sitz der Provisorischen Regierung (Altmarkt 25), den Standort der Barrikaden (Schloßstraße 7) sowie das ehemalige Zeughaus an der Ostseite des Albertinums (Tzschirnerplatz). Die Tafeln sind leicht zu übersehen, halte beim klassischen Stadtrundgang die Augen auf. Anreise: Haltestelle Altmarkt, Straßenbahn (Linien 1, 2, 4).

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Revolutionäres Shopping 51.049987, 13.736687 Altmarkt 25, 01067 Dresden (Routenplaner)

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