Wer aufmerksam durch Dresden spaziert, entdeckt kleine Unterschiede im Straßenbild. So viele Jahre nach der Wiedervereinigung können sich die Deutschen in einer Angelegenheit bis heute nicht einigen: Die Motive auf den Fußgängerampeln. Gleich nach der Wende wurden die Verkehrszeichen bundesdeutsch. Doch hier wollten sich einige Einwohner nicht damit abfinden und protestierten. Auch ich dachte: »Was ist das denn für ein mageres Strichmännchen.« Schon im DDR Kinderfernsehen belehrte mich das Ampelmännchen über die geltenden Verkehrsregeln. Wer will die Helden seiner Kindheit verlieren, wenn einem schon der Staat abhanden kommt? Die Behörden hatten ein Einsehen. Das »ostdeutsche« Ampelmännchen erhielt seinen alten Platz zurück. Ich war zufrieden.

Doch die Geschichte geht weiter: »Oh wie süß«, rief ich verzückt, als ich die ersten roten und grünen »Ampelfrauen« im Stadtzentrum entdeckte. Am 24. Januar 2005 wurde in Dresden — bundesweit beachtet — eine Ampel mit eindeutig weiblichen Symbolen aufgestellt. Diese Initiative ging von der damaligen Dresdner Gleichstellungsbeauftragten aus. Ein Pilotprojekt »Ampelfrauen« wurde allerdings schon 2004 in Zwickau gestartet.

Zuvor musste die rechtliche Grundlage geprüft werden. Die Straßenverkehrsordnung steht auf der Seite der Frauen: Sie fordert nur »das Sinnbild eines Fußgängers«, ohne eine Geschlechterbestimmung. Jahrzehntelang wurde das scheinbar ausschließlich männlich interpretiert. Frauen sind aber auch Fußgänger, so konnte Dresden die rote und die grüne »Ampelfrau« behalten. Mittlerweile sind beide Figuren beliebte Souvenirs, und es gibt »weibliche« Ampeln auch in weiteren Städten.

Gut zu wissen

Die erste 2005 umgerüstete Ampel befindet sich an der Kreuzung Prager Straße / Dr. Külz Ring in der Nähe vom Altmarkt. Weitere »Ampelfrauen« gibt es am Albertplatz oder am Pirnaischen Platz.

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Bei Rot bleibe stehen! 51.047114, 13.736987 Prager Straße, 01067 Dresden (Routenplaner)

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