In den mittlerweile stillgelegten und sanierten Betriebsgebäuden einer ehemaligen Papier- und Kartonagenfabrik sitzt heute die Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU).

Hier werden sie verwaltet, die Akten und Karteien des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) aus den Städten und Gemeinden – die damals »Kreise« hießen – des ehemaligen Bezirkes Dresden. Der Rundgang durch die Ausstellungen und das Archiv ist für mich eine Zeitreise. Als Kind habe auch ich gelegentlich die Auswirkungen der Postkontrolle durch die Stasi erlebt, wenn unser Paket aus West-Berlin offensichtliche Öffnungsspuren aufwies.

Die Berichte über die flächendeckende Überwachung der DDR-Bürger durch die Stasi gehen jedoch weit über die Verletzung des Briefgeheimnisses hinaus. Sie zeigen mir am Beispiel von Dresden ein fast unvorstellbares Ausmaß an organisierter Kontrolle. Jede(r) Zweite war hier auf irgendeine Weise registriert! Die Angaben zum Umfang und Art des gesammelten Materials sind erschreckend beeindruckend: Zehn Kilometer Unterlagen, drei Millionen Karteikarten mit Angaben zu Personen oder »operativen« Vorgängen.

Über all das wird während der Führung und in den verschiedenen, immer wieder wechselnden Ausstellungen berichtet. Mich beeindrucken aber vor allem die Schilderungen über besondere persönliche Schicksale oder über die Ereignisse, die zur Besetzung der Dresdner Stasi-Zentrale am 5. Dezember 1989 führten.

Warum tut diese Institution auch so viele Jahre nach der Wende noch ihren Dienst? Neben der Aufarbeitung der Dokumente werden hier auch Menschen beraten, die Fragen zu ihrer Vergangenheit in der DDR haben. Dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist, verdeutlichten die 700 Anträge auf Akteneinsicht, die jeden Monat in Dresden eingehen.

Zum Ende des Rundgangs erzählt die Mitarbeiterin noch, warum der Behördensitz in einer ehemaligen Papierfabrik so vorteilhaft ist. Die Decken und Mauern tragen die schweren, prall mit Dokumenten gefüllten Rollregale ohne Probleme. Das müssen sie auch. Denn immer noch gibt es 1.100 Säcke mit Aktenschnipseln aus dem Bezirk Dresden, die erfasst und rekonstruiert werden müssen.

Gut zu wissen

BStU – Außenstelle Dresden, Riesaer Straße 7 (Eingang C), 01129 Dresden, www.bstu.bund.de, Tel. +49 (0)351 25080, Öffnungszeiten: Mo. – Do. 8 bis 17 Uhr, Fr. 8 bis 14 Uhr, Eintritt frei. Führungen nach Anmeldung bzw. jeden letzten Do. im Monat. Anreise: Haltestelle Dresden-Pieschen, S-Bahn (Linie S1) bzw. Haltestelle Zeithainer Straße, Straßenbahn (Linie 3).

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Stasi-Akten in der Papierfabrik 51.084270, 13.723993 Riesaer Straße 7, 01129 Dresden (Routenplaner)

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