Wie eine Glucke brütet die Dresdner Frauenkirche über dem historischen Stadtkern. Nur wenige hundert Meter entfernt ragt der grazile Turm der katholischen Hofkirche in den Himmel. Zwei Gotteshäuser, die architektonisch nicht unterschiedlicher sein könnten und die doch eng verbunden sind mit der religiösen Berg- und Talfahrt Dresdens. Sachsen ist das Heimatland der Reformation. Was hätte Luther wohl dazu gesagt, dass 1697 ausgerechnet der sächsische Kurfürst zunächst heimlich, später offiziell, zur katholischen Seite wechseln würde? »August dem Starken« winkte die Königskrone des katholischen Nachbarlandes Polen. Einzige Bedingung: Der Kurfürst musste zum katholischen Glauben konvertieren. Aber wann bekommt man schließlich schon einmal eine Krone angeboten? Und so wurde August am 16. September 1697 mit allem Prunk in Krakau als »August II Mocny«, was so viel wie »der Mächtige« bedeutet, zum polnischen König gekrönt.

Die Angst der evangelischen Untertanen in Sachsen, dass nun eine Rekatholisierung im Land bevorstehen könnte, stellte sich als unbegründet heraus. Nur der sächsische Hof war »katholisch geworden«. Der Übertritt Augusts brachte für Dresden durchaus positive Impulse. So holte der König viele Polen an den sächsischen Hof, die einen gewissen frischen Wind in die Stadtmauern brachten. Auch zahlreiche Künstler fanden den Weg in die sächsische Metropole. Um seinen neuen Glauben gebührend ausüben zu können, benötigte ein König in Dresden natürlich ein repräsentatives Gotteshaus.

Dazu ließ der Sohn August des Starken 1739 bis 1751, unter starkem Protest der protestantischen Bevölkerung, die Dresdner Hofkirche errichten. Das barocke Gotteshaus soll der Form eines Schiffes nachempfunden sein. Die Kirche steht so, dass sie schräg gegen den Strom der Elbe gerichtet ist. Von der Hofkirche führt der Fürstenzug in Richtung Dresdner Frauenkirche, die von 1726 bis 1743 nach Entwürfen von George Bähr erbaut wurde und im Februar 1945 nach den Bombenangriffen auf Dresden zusammenbrach. Besonderen Stolz empfinden natürlich die evangelischen Christen Dresdens, haben sie doch jetzt wieder ein ebenbürtiges und berühmtes Gotteshaus in der Landeshauptstadt.

Gut zu wissen

Die Frauenkirche und die Kathedrale Ss. Trinitatis (katholische Hofkirche) liegen nur 400 m von einander entfernt. Informationen zu Gottesdiensten, Konzerten und Führungen in beiden Kirchen findest du auf den Webseiten www.frauenkirche-dresden.de und www.hofkirche-dresden.de. Anreise Hofkirche: Haltestelle Theaterplatz, Straßenbahn (Linien 4, 8, 9), von dort weiter zu Fuß zur Frauenkirche.

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Die Dicke und die Dünne 51.053454, 13.737459 Schloßstraße, Dresden, Deutschland (Routenplaner)

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