Die Besucher schieben sich in Strömen durch die kleine Augustusstraße. Rikschas klingeln, Segways schlängeln sich surrend vorbei, Straßenkünstler spielen und die Souvenirstände quellen über, doch jeder Gast starrt nur nach oben. Ein riesiges Bild an der Wand zeigt die Familie der Wettiner. Die meisten erkennen erst auf den zweiten Blick, dass es ein Meißner Porzellanfliesenmosaik ist. Das ist einzigartig. Geplant und erstellt (1872 bis 1876) wurde es vom Historienmaler Wilhelm Walther. Es war sein Lebenswerk. Verewigt hat er sich mit einem kleinen »Selfie«. Es sind 35 Wettiner zu Pferd, darunter finden sich Name und Regierungszeit. Die Beinamen der Herrscher sind bisweilen sehr lustig und laden zum Spekulieren ein.

Das Spannende: Dieses Bild funktioniert wie ein Rätsel. Jedes kleine Detail auf diesem Wandbild ist ein Hinweis für die 800jährige sächsische Landesgeschichte. Ich bin schon hunderte Male an diesem Bild gewesen und entdecke jedes Mal Neues. Jüngst steht ein Gast in der Stadt davor und meint plötzlich: »Da ist eine Fliese falsch!« Das ließ mich staunen und vorerst meinen Vortrag vergessen. Wer genau hinsieht, entdeckt bei Georg IV. in der gelben Fläche am Haar eine um 180 Grad verdrehte falsch eingesetzte Fliese. Ob das Wilhelm Walther wusste? Tja, »Dumm gelaufen!« galt wohl schon damals.

Gut zu wissen

Augustusstraße 1, 01067 Dresden. Das Bild ist 102 Meter lang und 10 Meter hoch und wird als »Fürstenzug« bezeichnet. Das Meißner Porzellanfliesenmosaik besteht aus 23.621 Einzelstücken und befindet sich an der Außenwand des Stallhofes im Dresdner Residenzschloss.

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»Dumm gelaufen!« – der Fürstenzug 51.052773, 13.738961 Augustusstraße, Dresden, Deutschland (Routenplaner)

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