Schon seit einigen Minuten steht ein junges Pärchen vor dem goldenen Reiterstandbild auf der Dresdner Hauptstraße. Während SIE geschäftig in ihrem Reiseführer blättert, um Näheres über den imposanten Herren herauszufinden, umschreitet ER sichtlich beeindruckt den Sockel der Skulptur. »FRID. AVGVSTVS. I«, entziffert der junge Mann. Für den Rest der Inschrift fehlt das kleine Latinum oder es ist nicht mehr viel davon übrig. Inzwischen ist seine Freundin fündig geworden. »Friedrich August der Erste, genannt August der Starke, seines Zeichens Kurfürst von Sachsen und später sogar König von Polen«, weiß SIE zu berichten. »Potent muss er ja gewesen sein«, kichert SIE. »Hier steht, dass er 356 Nachkommen gezeugt haben soll.«

Augustus war ein Spross des sächsischen Adelsgeschlechts der Wettiner, die mehr als 800 Jahre Sachsen und umgrenzende Gebiete regierten. Anders als sein Amtskollege Friedrich der Große im angrenzenden Preußen, der Erbauung vor allem im Abhalten endloser Militärübungen fand, entwickelte Friedrich August schon früh ein Gespür für die schönen Künste. Großes Vorbild für ihn war der französische Hof. Außerdem pflegte Sachsens Oberhaupt einen ausschweifenden und prunkvollen Lebensstil. Vor allem war der Kurfürst ein leidenschaftlicher Sammler von Kunstschätzen. Ein Blick in die Schatzkammer im Dresdner Schloss, das Grüne Gewölbe oder in die Gemäldegalerie bestätigt das. August hatte eine Nase für schöne Dinge.

Sein Titel »Der Starke« kam nicht von ungefähr. Bei Kraftspielen liebte es Friedrich August, körperliche Kondition zu beweisen. Legendär geworden ist dabei seine Fähigkeit, ein Hufeisen mit bloßen Händen zu verbiegen. Auch die Jagd war eine große Leidenschaft des Kurfürsten, zum einen die in den Moritzburger Wäldern, zum anderen die auf dem glatten Parkett des Dresdner Hofes. Augusts Vorliebe für barocke Formen beschränkte sich nämlich nicht nur auf die Architektur der sächsischen Residenz. Zahlreiche Hofdamen sollen dem kurfürstlichen Charme erlegen sein. Eine ist besonders berühmt geworden: Gräfin Cosel. Keine andere Frau hatte den starken August so stark beeindruckt wie sie. Allerdings wurde ihr die eigene Machtsucht zum Verhängnis. Das traurige Ende der Liebschaft kann man heute noch in einem Turmzimmer auf der Burg Stolpen erahnen. Hierhin verbannte der genervte Kurfürst die Cosel schließlich.

Gut zu wissen

Das goldene Reiterstandbild August des Starken befindet sich am Neustädter Markt, 01097 Dresden, direkt auf der Verbindungstangente (Augustusbrücke – Hauptstraße) zwischen Neustadt und Altstadt. Anreise: Haltestelle Neustädter Markt, Straßenbahn (Linien 4, 9).

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Ein Riecher für das Schöne 51.058123, 13.741323 Neustädter Markt, Dresden, Deutschland (Routenplaner)

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